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| 14:50 Uhr

Arbeitslosigkeit in der Lausitz
Arbeitsmarkt geht solide ins neue Jahr

Solide präsentiert sich der Arbeitsmarkt in der Region.
Solide präsentiert sich der Arbeitsmarkt in der Region. FOTO: Patrick Seeger / dpa
Cottbus/Bautzen. Die Arbeitsagenturen Cottbus und Bautzen sehen trotz saisonaler Delle einen gelungenen Jahresabschluss und eine solide Basis für 2018. Von Beate Möschl

Von November auf Dezember ist die Arbeitslosigkeit in Südbrandenburg und Ostsachsen saisonbedingt wieder leicht gestiegen. Dennoch setzt sich die insgesamt positive Entwicklung im kurz- und mittelfristigen Vergleich fort. In den Arbeitsagenturbezirken Cottbus und Bautzen werden deshalb die Aussichten auch für das neue Jahr positiv beurteilt. Grund sind die anhaltende Fachkräftenachfrage und die guten Geschäftsaussichten, die die Betriebe der Industrie- und Handelskammern sowie der Handwerkskammern Cottbus und Dresden in den jüngsten Umfragen gezeichnet haben, aber auch die demografische Entwicklung und die Abwanderung junger Menschen aus der Region. Das Potenzial der Erwerbspersonen schrumpft.

Im Bezirk der Agentur für Arbeit Cottbus waren im Dezember  21 918 Menschen arbeitslos gemeldet, 501 mehr als im Vormonat, aber 3110 weniger als im Dezember 2016. Die Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) lag bei 30 081 Personen. Das waren 253 mehr als im November 2017. Im Vergleich zum Vorjahr ist ein Rückgang um 4275 Personen zu verzeichnen.

Übersicht über den Arbeitsmarkt im Dezember 2017.
Übersicht über den Arbeitsmarkt im Dezember 2017. FOTO: Katrin Janetzko / LR

„Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung gehen gleichermaßen zurück in Südbrandenburg. Davon profitieren alle Altersgruppen“, fasst Marion Richter, Geschäftsführerin operativ der Agentur für Arbeit Cottbus, die Entwicklung zusammen. Aktuell liegt der Anteil der Arbeitslosigkeit an der Unterbeschäftigung bei 72,8 Prozent. „Wir sind zufrieden mit der Entwicklung im Jahresverlauf. Die Arbeitslosigkeit ist kontinuierlich gesunken. Das stimmt uns sehr optimistisch für die nächsten Monate. Wir sehen derzeit keine Anzeichen, die uns unruhig machen.“

Ähnliches Bild in Ostsachsen. Dort sitzt die Nachricht von der Zahlungsunfähigkeit des Traditionsbetriebes Waggonbau Niesky noch in den Knochen. Sie überschattete den ersten Arbeitstag im neuen Jahr. Die Hoffnung ist, dass es weitergeht, denn die Auftragsbücher sind voll. Rund 400 Beschäftigte bangen um ihre Jobs, darunter 100 Leiharbeiter. Im Dezember 2017 waren im Agenturbezirk Bautzen insgesamt 20 056 Menschen arbeitslos gemeldet, 636 mehr als im November. Im Jahresvergleich sank die Zahl der Arbeitslosen deutlich. Im Dezember 2017 waren im Agenturbezirk Bautzen 2690 Menschen weniger arbeitslos gemeldet als im Dezember 2016. Die Unterbeschäftigung, die Summe aus Arbeitslosen und Teilnehmern in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, belief sich auf 26 211 Personen. Das ist ein Rückgang im Vergleich zu Dezember 2016 um 10,1 Prozent. Aktuell liegt der Anteil der Arbeitslosigkeit an der Unterbeschäftigung bei 76,5 Prozent.

Aus Sicht der Agentur für Arbeit Bautzen ist 2018 mit einem weiteren Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zu rechnen. „Ich gehe davon aus, dass der Arbeitsmarkt 2018 robust bleiben wird“, sagt Thomas Berndt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bautzen. Trotz der robusten Arbeitsmarktlage haben es einige Personengruppen schwerer, wieder in Arbeit zu kommen. „Rund jeder zweite Arbeitslose in der Region ist langzeitarbeitslos und jeder fünfte hat keinen Berufsabschluss. Deshalb bleibt für Arbeitsagentur und Jobcenter noch viel zu tun. Jeder Arbeitslose ist einer zu viel. Meine Mitarbeiter werden sich deshalb auch im Jahr 2018 auf die Menschen konzentrieren, die besondere Unterstützung benötigen, wie Langzeitarbeitslose, Menschen mit Handicap, Jugendliche und junge Erwachsene ohne Berufsabschluss sowie geflüchtete Menschen“, kündigt Thomas Berndt an. Für das Jahr 2018 hat die Agentur für Arbeit Bautzen rund 29 Millionen Euro für die Eingliederung in Arbeit und Ausbildung zur Verfügung.

„Der Weg in Beschäftigung führt über Qualifizierung“, bestätigt auch Marion Richter für Südbrandenburg. „Wir bekommen pro Monat durchschnittlich 1200 Stellenangebote rein, können diese aber nicht gleich oder gar nicht vermitteln, weil es an passend qualifizierten  Bewerbern mangelt.“ Aktuell hat die Agentur im Bereich Südbrandenburg 5857 offene Stellen zur Vermittlung im Angebot, das sind 356 mehr als im Vorjahr. „Wir würden gerne sehr viel mehr Menschen zur Fachkraft qualifizieren, aber es mangelt an Bereitschaft und Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten“, so Richter. Das sei verständlich, jedoch gebe es auch Hilfe beim Lernen, beispielsweise Stützunterricht.

Die Liste der Top 10 der freien Stellen in Südbrandenburg wird aktuell angeführt von Fachkräften für den Verkauf. Auf Rang zwei folgen Berufskraftfahrer. Gesucht werden zudem Fachkräfte in der Altenpflege, im Dialogmarketing und im Gastronomieservice, Helfer in der Lagerwirtschaft, Fachkräfte im Objekt- und Personenschutz, sowie Fachkräfte im Handwerk, darunter in den Bereichen Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik und Kraftfahrzeugtechnik. Die meisten Arbeitslosen in Südbrandenburg kommen demgegenüber aus den Bereichen Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit sowie Rohstoffgewinnung, Produktion, Fertigung oder Bau, Architektur, Vermessung, Gebäudetechnik oder Kaufmännische Dienste, Handel und Vertrieb, Tourismus oder Land-, Forst-, Tierwirtschaft und Gartenbau

In Ostsachsen können die Mitarbeiter der Arbeitsagentur Bautzen insgesamt auf 4486 freie Arbeitsstellen vermitteln. Das ist ein Minus von 65 Stellen gegenüber November 2017 und ein Plus von 686 Stellen im Vergleich zu Dezember 2016. Die meisten freien Stellen sind im Bereich der Zeitarbeit (1133), dem verarbeitenden Gewerbe (888), dem Gesundheits- und Sozialwesen (446), dem Bereich Verkehr und Lagerwirtschaft (387) sowie dem Handel und der Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (371) zu besetzen.