Es ist nur eine nackte Zahl, aber sie steht für eine Entwicklung, von der viele Menschen in der Region profitieren: 8,9 Prozent. Auf diesen Tiefststand ist die Arbeitslosigkeit in Südbrandenburg im Mai gesunken. In Ostsachsen liegt sie bei 9,5 Prozent, in der Bundesrepublik bei 6,3 Prozent. Marion Richter, Geschäftsführerin operativ der Arbeitsagentur Cottbus: "Wir freuen uns über diese sehr gute Entwicklung, aber es bleibt noch einiges zu tun."

Der Bestand an Arbeitslosen sank im Mai von 30 239 auf 28 837. Am stärksten profitierten ältere Arbeitslose über 50 Jahre von dem Rückgang (minus 4,6 Prozent). Einzig bei den arbeitslosen Ausländern gab es einen leichten Zuwachs. "Aber dieser Aufwuchs resultiert aus rein statistischen Veränderungen", so Richter. "Durch den Mikrozensus haben sich im Mai die Bezugsgrößen verändert, die Bevölkerung ist einfach kleiner geworden. Die prozentualen Anteile haben sich entsprechend vergrößert."

Im Bezirk der Agentur für Arbeit Bautzen waren Ende Mai 27 534 Menschen arbeitslos gemeldet, 1803 Arbeitslose weniger als Ende April. Thomas Berndt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur: "Derzeit können wir auf mehr als 3000 freie Arbeitsstellen im Bestand zurückgreifen. Für mich ein Zeichen, dass weiterhin ein hoher Bedarf an Arbeitskräften in der Region existiert."

In Südbrandenburg ist die Lage ähnlich, hier gibt es 4158 freie Stellen im Bestand. Marion Richter: "Es wird zunehmend schwerer, freie Stellen zeitnah oder sogar überhaupt zu besetzen." Physiotherapeuten ohne Jobs gebe es zum Beispiel überhaupt nicht.

Einen kleinen Wermutstropfen können die Arbeitsmarktexperten in der Mai-Bilanz dennoch nicht leugnen: Die Jugendarbeitslosigkeit in Südbrandenburg ist nicht, wie erhofft, unter fünf Prozent geblieben, sie stieg in den vergangenen Wochen auf 5,1 Prozent (Vormonat: 4,7).

Heinz-Wilhelm Müller, Leiter der Arbeitsagentur Cottbus: "Auch hier sind die absoluten Zahlen gegenüber April gesunken, aber die statistischen Bezugsgrößen haben sich verändert: Es sind erneut Jugendliche abgewandert, obwohl es für jeden ein passendes Angebot in der Region geben würde." Das betrifft Arbeitsplätze ebenso wie Ausbildungsstellen: Hier stehen derzeit 3303 freie Lehrstellen 2954 Bewerbern gegenüber. Müller: "Wir gehen davon aus, dass noch einige Bewerber wegziehen oder sich für ein Studium entscheiden, sodass wir wahrscheinlich rund 500 Lehrstellen nicht besetzen können." Besonders viele freie Ausbildungsplätze gibt es in den Bereichen Kauffrau/-mann im Einzelhandel, Koch, Mechatroniker und Büromanagement.

Die niedrigste Arbeitslosenquote in Südbrandenburg weist, wie fast immer, die Geschäftsstelle Luckau auf, mit 4,9 Prozent ist hier nahezu Vollbeschäftigung erreicht. Forst ist weiterhin Schlusslicht mit 12,6 Prozent. In Ostsachsen hat die Geschäftsstelle Radeberg mit 5,1 Prozent die niedrigste Quote der Region, am schlechtesten steht Görlitz mit 13,7 Prozent Arbeitslosigkeit da.