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| 07:59 Uhr

San Francisco
Apples Milliarden-Geschenk für Aktionäre

San Francisco. Der US-Konzern will von seinen Eigentümern Aktien für 100 Milliarden Dollar zurückkaufen - das ist mehr als der Börsenwert von Siemens. Das iPhone, das für zwei Drittel des Apple-Umsatzes steht, bleibt ein Kassenschlager. Stephen Nellis und Nadine Schimroszik

Der US-Konzern will von seinen Eigentümern Aktien für 100 Milliarden Dollar zurückkaufen - das ist mehr als der Börsenwert von Siemens. Das iPhone, das für zwei Drittel des Apple-Umsatzes steht, bleibt ein Kassenschlager.

Boomende Geschäfte und noch einmal 100 Milliarden Dollar für die Aktionäre: Apple hat mit seiner Quartalsbilanz abermals für gute Stimmung an den Börsen gesorgt. Obwohl die Nachfrage nach Smartphones weltweit sinkt, verkaufte der amerikanische Technologiekonzern von Januar bis März 52,2 Millionen iPhones. Das sind drei Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn kletterte deutlich. Das alles beruhigte Investoren, die sich seit einiger Zeit Sorgen machen, dass Apple inzwischen zu abhängig vom iPhone sein könnte. Zudem können sich die Anleger nun über ein neues Aktienrückkaufprogramm freuen, wie der wertvollste Technologiekonzern der Welt mitteilte. Die Apple-Aktie legte um fast sechs Prozent zu.

Erleichterung über den wachsenden iPhone-Absatz und den positiven Ausblick auf das laufende Vierteljahr war auch bei Zulieferern zu spüren. Die zuletzt gebeutelten Papiere des Chip-Entwicklers Dialog Semiconductor sprangen um mehr als acht Prozent in die Höhe. Ähnlich stark legte die österreichische Chipfirma AMS zu.

Apple schwimmt im Geld. Die Quartalsdividende steigt deshalb um 16 Prozent. Aber damit nicht genug: Von August 2012 bis März 2018 ließ Apple insgesamt 275 Milliarden Dollar - in etwa das Bruttoinlandsprodukt von Chile - an seine Anleger über ein Aktienrückkaufprogramm zurückfließen. Das wird auch als Zeichen gewertet, dass der Konzern einen Großteil seines im Ausland lagernden Vermögens zurückholen will. Nach der US-Steuerreform sind darauf geringere Abgaben als zuvor nötig.

Nun kündigte die Firma aus Cupertino ein neues Rückkaufprogramm im Umfang von 100 Milliarden Dollar an. Das entspricht mehr als der Marktkapitalisierung von Siemens. "Wir geben das Geld wie versprochen den Investoren zurück", sagte Finanzchef Luca Maestri. Nicht allen Analysten ist das Recht. Einige fordern, mehr Geld in die Entwicklung neuer Produkte zu stecken, um sich breiter aufzustellen und nicht alles für die Aktienpflege aufzuwenden. Andere schlagen vor, über strategische Zukäufe nachzudenken.

Das iPhone stand zuletzt für mehr als zwei Drittel des Apple-Umsatzes, der von Januar bis März um 16 Prozent auf 61,1 Milliarden Dollar zulegte. Erst im November hatte der Konzern aus dem Silicon Valley zum zehnjährigen iPhone-Geburtstag ein neues Vorzeigemodell in den Handel gebracht, das ab 1150 Euro zu haben ist. Vorstandschef Tim Cook warnte vor überzogenen Erwartungen: "Wenn ein Team den Super Bowl (das Finale im American Football) gewinnt, wünscht man sich vielleicht auch, dass es mehr Punkte bekommen hätte. Aber es ist Super-Bowl-Gewinner und so fühlen wir uns auch." Der Überschuss kletterte im zweiten Geschäftsquartal um rund ein Viertel auf etwa 13,8 Milliarden Dollar.

Vor allem in Dienstleistungen rund um den iTunes-Store sowie den Musik-Streaming-Dienst Apple Music und das Cloud-Angebot setzt der Konzern große Hoffnungen. Die Umsätze in dieser Sparte lagen mit 9,1 Milliarden Dollar über den Erwartungen. Künftig will die Firma, die mit Mac-Computern groß geworden ist, ähnlich wie Amazon und Netflix auch eigene Inhalte wie Fernsehserien produzieren, um Kunden anzulocken.

Für das laufende Quartal erwartet Apple Erlöse zwischen 51,5 und 53,5 Milliarden Dollar und damit deutlich mehr als im Vorjahreszeitraum. Wie gut die Geschäfte am Ende laufen, dürfte auch von der Entwicklung des US-Handelsstreits mit China abhängen. Die Volksrepublik wird für Apple als Markt immer wichtiger. Finanzchef Maestri sagte: "Wir glauben, dass Zölle letztlich Steuern für den Verbraucher sind."