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| 18:43 Uhr

Amerikaner halten an Förderung von Lausitzkupfer fest

Die Firma KSL Kupferschiefer Lausitz GmbH will im südbrandenburgischen Spremberg (Spree-Neiße) ab 2022 Kupfer fördern
Die Firma KSL Kupferschiefer Lausitz GmbH will im südbrandenburgischen Spremberg (Spree-Neiße) ab 2022 Kupfer fördern FOTO: Patrick Pleul (LR-COS-REM-107)
Spremberg/Cottbus. Die Kupferschiefer Lausitz (KSL) GmbH hat eine neue Geschäftsführerin. Die 34-jährige Deutsch-Brasilianerin Elke Groterhorst kommt aus der Finanzbranche. Am Donnerstag hat sie in Spremberg (Spree-Neiße) den weiteren Fahrplan für die Kupferförderung in der Lausitz vorgestellt. Alexander Dinger

Verläuft alles nach Plan, wird 2017 das erste Kupfer-Bergwerk bei Spremberg gebaut. Das hat die neue KSL-Geschäftsführerin Elke Groterhorst (siehe Infobox) am Donnerstag in Spremberg gesagt. Die 34-jährige Deutsch-Brasilianerin hat auf dem Chef-Posten Thomas Lautsch abgelöst. Der hatte im November des vergangenen Jahres das Unternehmen verlassen. Während Lautsch als Techniker und ausgewiesener Experte im Bergbau-Bereich gilt, kommt Groterhorst aus der Finanzbranche.

Derzeit befindet sich KSL im Raumordnungsverfahren. In dieser Phase sind beispielsweise Biologen mit der Kartierung der Fauna beauftragt. Im Fall von KSL sind das 70 000 Hektar. "Unser Ziel ist, dass wir 2017 mit dem Bergwerksbau beginnen können", so Groterhorst. 2022 soll dann das erste Kupfererz gefördert werden. In dem Zeitplan wird auch bereits das Ende des Abbaus angegeben. Demnach soll 2040 die Stilllegungsphase der Schächte beginnen. 2050 will sich KSL aus dem Spremberger Raum zurückziehen.

Als Minera-Chefin Audra Walsh Ende vergangenen Jahres aus Washington nach Spremberg gekommen war, verkündete sie die Entlassung von sechs der elf Mitarbeiter. Als Grund nannte sie damals fallende Preise am Rohstoffmarkt. "Wir werden auch in den nächsten Jahren keine weiteren Mitarbeiter einstellen", bestätigte nun Groterhorst. Derzeit pendle der Preis für eine Tonne Kupfer um die 7500 US-Dollar. "Interessant wird es für uns, wenn er über die 8000er-Marke klettert", so Groterhorst weiter.

Die Deutsch-Brasilianerin bestätigte auf RUNDSCHAU-Nachfrage intensive Gespräche mit dem polnischen Bergbaukonzern KGHM. Die Polen suchen derzeit im Raum Weißwasser (Landkreis Görlitz) nach Kupfer. Kürzlich hatte der Konzern eine Kapitalerhöhung beschlossen und Gerüchte über Gespräche mit KSL bestätigt. "Wir tauschen uns regelmäßig über Technik und Genehmigungsverfahren aus", sagte Groterhorst. In wenigen Wochen sei ein weiteres Treffen geplant. Eine noch engere Kooperation oder gar Übernahmegerüchte wollte sie nicht bestätigen. "Wir sind voll mit unserem Projekt beschäftigt. Wenn die Kupferpreise und die Renditen stimmen, bauen wir", sagte sie.

Ein wesentlicher Teil des Raumordnungsverfahrens beschäftigt sich derzeit mit möglichen Lagerstätten für Rückstände aus der Aufbereitung des Kupfererzes. Laut KSL-Technikchef Ralph Braumann werden derzeit sieben Lagerstätten geprüft. Eine Methode sieht die Verfüllung des Abraums im Tagebau vor. "Wir führen derzeit Gespräche mit Vattenfall", so Braumann. Viel Hoffnung werde auch in den Versuch gesteckt, den feinen Abraum in Tagebau-Restlöchern zu versenken. Da das Material sehr basisch ist, würde vielleicht die Behandlung der sauren Tagebaufolgeseen mit Kalk entfallen. Auch das sei aber reine Zukunftsmusik, so Braumann. Ebenfalls werde die Verfüllung des Abraums in der Nähe des Bergbaus unter der Erde geprüft.

Bislang hat der US-amerikanische Konzern Minera S.A. seit 2008 etwa 25 Millionen Euro in die Kupfer-Erkundungen rund um Spremberg gesteckt. Ein Großteil des Geldes wurde in die zahlreichen Genehmigungs- und Erkundungsmaßnahmen investiert. So wurden Dutzende Bohrungen und seismische Untersuchungen rund um Spremberg durchgeführt.

Um das Kupfer-Projekt in der Lausitz zu stemmen, müssten mehr als eine Milliarde Euro investiert werden. Bei KSL geht man davon aus, dass die Planung 100 Millionen Euro kosten wird. Experten vermuten, dass in der Spremberger Region 130 Millionen Tonnen Kupfererz gefördert werden können. Dieses Erz enthält zwei Prozent des Metalls in Form eines Kupfersalzes. Zur Aufbereitung muss es gemahlen werden, wobei sich das Volumen verdoppelt. Abgetrennt und zur Verhüttung weiterverkauft wird ein Konzentrat mit etwa 25 Prozent Kupfer. Zurück bleibt lediglich ein Brei von Gesteinsmehl.

Zum Thema:
Die Deutsch-Brasilianerin Elke Groterhorst, 34 Jahre, ist in São Paulo aufgewachsen. Sie ist die neue alleinige Geschäftsführerin der Kupferschiefer Lausitz. Sie hat auf diesem Posten Thomas Lautsch abgelöst. Während Lautsch als Techniker mit umfangreichen Erfahrungen im Bergbau gilt, kommt Groterhorst aus der Finanzbranche. Die Deutsch-Brasilianerin hat unter anderem in Frankfurt/Main für die Dresdner Bank gearbeitet. Nachdem diese von der Allianz geschluckt wurde, war sie für den Versicherungskonzern tätig, beschäftigte sich mit Vermögensverwaltung und Anlagenstrategien. 2010 wechselte Groterhorst zum US-amerikanischen Konzern Minera S.A., der Mutter des Lausitzer Unternehmens, mit Sitz in Washington D.C. Bei Minera kümmerte sich die Volkswirtin um das Finanzmanagement. Da Elke Groterhorst perfekt deutsch spricht, wurde sie relativ früh mit dem Kupferprojekt in der Lausitz betraut.