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| 01:06 Uhr

Altenburger Spielkartenfabrik zieht ihre Trümpfe

In der thüringischen Spielkartenfabrik Altenburg zeigt eine Mitarbeiterin Motive aus dem Kartenspiel "Findet Nemo". Es ist auf der Basis des gleichnamigen Kinofilms entstanden.
In der thüringischen Spielkartenfabrik Altenburg zeigt eine Mitarbeiterin Motive aus dem Kartenspiel "Findet Nemo". Es ist auf der Basis des gleichnamigen Kinofilms entstanden. FOTO: dpa
Abgesehen von einem Flop mit „Mr. Bean“ als Zeichentrickfigur hat die Spielkartenfabrik Altenburg GmbH mit ihren Produkten auch in unsicheren Zeiten einige Trümpfe in der Hand. Von Sophia-Caroline Kosel

„Spielkarten werden immer gebraucht“, meint die Geschäftsführerin des Deutschen Spielwarenindustrieverbands, Corinna Printzen. Das Unternehmen aus der Thüringer Skatstadt ist Deutschlands größter Spielkartenproduzent und hat bundesweit nur einen Wettbewerber.
„Es gibt noch den Nürnberger Spielkartenverlag, ansonsten niemanden mehr“, sagt Printzen. „Die Altenburger besetzen eine sehr komfortable Nische.“ 2003 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von rund 20 Millionen Euro. 2004 wird er nach bisherigen Berechnungen bei 22 Millionen Euro liegen.

500 Jahre Tradition
Vor etwa 500 Jahren wurde in Altenburg der erste „Kartenmacher“ erwähnt. 1832 dann eröffneten die Brüder Otto und Bernhard Bechstein in der thüringischen Stadt ihre „Herzoglich Sächsische Altenburgische Concessionierte Spielkartenfabrik“. 2002 kaufte der größte europäische Spielkartenkonzern, Carta Mundi (Belgien), das Werk und führte damit zwei Traditionsmarken wieder zusammen: ASS und Altenburger. Denn nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sich die Altenburger Stralsunder Spielkarten AG (ASS) in einen west- und einen ostdeutschen Teil aufgespalten.
Seit dem Wechsel zu Carta Mundi stehen die Zeichen bei den Altenburgern auf Expansion. Die Firma hat 2004 fünf Millionen Euro in die Kapazitätserweiterung investiert, sagt der Geschäftsführer der Spielkartenfabrik, Peter Warns. Auf einem 8000 Quadratmeter großen neu erworbenen Grundstück neben dem angestammten Domizil ist eine neue Produktionshalle entstanden.
Aus der Skatstadt sollen künftig deutlich mehr Spielkarten kommen. Im Dezember wurde eine neue Druckmaschine in Betrieb genommen. Sie kann bis zu 42 000 Spiele pro Stunde drucken. „Die Maschine soll rund um die Uhr produzieren“, sagt Warns. Bisher waren es in dem Werk stündlich 30 000 Spiele. „Wir haben noch genügend Reserve für weiteres Wachstum.“
Mitten im Konjunkturloch haben die 141 Mitarbeiter 2004 rund 40 Millionen Skat- und Rommé-Blätter, Quartette sowie Karten für Gesellschaftsspiele und mit Werbung produziert. „In einer Zeit, in der die Leute das Gefühl haben, dass es ihnen schlecht geht, kaufen sie billigere Spiele“, beobachtet der Geschäftsführer. „Statt zum 40-Euro-Brettspiel greifen Sie zum Zwei-Euro-Kartenspiel.“

Karten als Werbemittel
Die Thüringer Kartenhersteller agieren in drei Märkten. Sie produzieren eigene Spielkarten-Sets für den Handel, beliefern Spielehersteller und bedrucken Karten mit Werbung. Besonders große Wachstumschancen sieht Warns für die Karte als Werbemittel. „Man kann auf einer Karte viel mehr Inhalt vermitteln als auf einem Kugelschreiber – und der Werbemittelmarkt in Deutschland ist groߓ, sagt er. Auf manchen Karten enthält sogar die Vorderseite Werbung, etwa für eine Brauerei: Könige tragen Bierfässer und Damen Maßkrüge.