| 02:40 Uhr

Alles, nur keine ausgelatschten Schuhe

Modernste Technik hilft bei modernen Verkaufsprozessen. Hier steht Thomas Voigt an einem kompakten Fotosystem, das Aufnahmen in 3D ermöglicht. Schon kurz nach dem Ablichtungsprozess ist das Modell mit allen nötigen Angaben im Computersystem abrufbar und kann online gestellt werden.
Modernste Technik hilft bei modernen Verkaufsprozessen. Hier steht Thomas Voigt an einem kompakten Fotosystem, das Aufnahmen in 3D ermöglicht. Schon kurz nach dem Ablichtungsprozess ist das Modell mit allen nötigen Angaben im Computersystem abrufbar und kann online gestellt werden. FOTO: sk
Falkenberg. Was 1989 mit einem kleinen Schuhladen in Falkenberg begonnen hat, ist inzwischen zu einem Unternehmen gewachsen, das EU-weit Schuhe verkauft. Bei so manchem Kunden, der auf den Standort der F+V Schuhe GmbH stößt, kommt nicht selten die Frage: Falkenberg, wo liegt denn das? Und sich sowohl den Namen der Stadt als auch des Unternehmens zu merken, ist durchaus sinnvoll. Sylvia Kunze

Denn schließlich wird hier ein Stück regionale Einzelhandelsgeschichte geschrieben.

Wer hätte 1989 so eine Entwicklung voraussagen wollen? "Der Laden, den meine Schwester damals gerade übernommen hatte, musste sich mit seinen etwa 30 Quadratmetern Verkaufsfläche nach dem Mauerfall einer völlig neuen Konkurrenzlage stellen", erinnert sich Thomas Voigt, der damals mit einstieg und seitdem gemeinsam mit seiner Schwester Angela Foller Inhaber des Unternehmens ist.

Beide haben sich der Herausforderung gestellt. Und sind stetig drangeblieben. Zuerst gab es neben der Stammfiliale in Falkenberg Zweigstellen in Herzberg, Doberlug-Kirchhain, Torgau und Bad Liebenwerda. Als dem lokalen Einzelhandel in den kleinen Innenstädten immer mehr die Luft zum Atmen wegblieb, folgten zwei entscheidende Schritte. F+V Schuhe spezialisierte sich auf nur eine Marke und verkaufte nur noch Gabor-Modelle. Zudem eröffneten die Falkenberger die ersten Monostores. Während man zuerst in Leipzig im Hauptbahnhof und im Einkaufszentrum "Nova Eventis" sowie später auch in Erfurt und Dresden Fuß fasste, musste 2008 der letzte kleine, noch in Falkenberg verbliebene Laden geschlossen werden.

In unmittelbarer Nähe hat sich jedoch schon kurz darauf ein komplett neues Standbein des Unternehmens etabliert. "2010/2011, als der Online-Handel immer stärker wurde, stand für uns fest, dass wir da mitmachen müssen und haben unseren eigenen Online-Shop, www.gaborshop.de , aufgebaut", blickt Thomas Voigt zurück. Seit nunmehr fünf Jahren wird also nicht mehr nur in den vier stationären Shops von den dort zehn Angestellten verkauft, sondern immer mehr auch über die Onlineplattform gaborshop24.de.

Ein Drittel des Gesamtumsatzes generiere sich inzwischen über den von Falkenberg aus geführten Onlineshop, in dem weitere zwei Mitarbeiter beschäftigt sind. Um die 25 000 Besteller haben sich inzwischen von diesen bedienen lassen. "Zehn Prozent davon regelmäßig, Tendenz steigend", freut sich der Unternehmer. Er vermutet: "Ohne Onlinehandel würde es das Unternehmen vielleicht nicht mehr geben. Dem Umsatzrückgang allerorten stehen steigende Kosten in den stationären Shops gegenüber. Ein Händler kommt heute nicht mehr an der digitalisierten Form des Handelns vorbei." Wichtigste Prämissen sind dabei für Thomas Voigt: eine professionelle und aktuelle Homepage. Voigt tüftelt Tag für Tag daran, noch besser zu werden und nutzt modernste Technik und viele Kniffe, um "oben" mitzuspielen.

Einen weiteren Erfolg dabei erzielte die Firma erst kürzlich. Gaborshop24.de hat bei der Großmacht Amazon einen Fuß in der Tür. "Seit 1. Mai sind wir Partner für den Prime-Versand", freut sich Voigt, der von seinem System in Falkenberg nicht nur Zugriff auf das dortige Lager, sondern gleichermaßen auf die Lager der eigenen Shops und das große Zen trallager des Schuherstellers Gabor hat.

Der Falkenberger Geschäftsmann weiß um den anstrengenden Weg bis hierhin und die erzielten Erfolge zu schätzen. "Wir sind einer von drei auf der Firmenhomepage www.gabor.de offiziell empfohlenen und verlinkten Onlineshops der Marke Gabor. Und wir haben den Spagat geschafft, stationären Handel und Online-Handel zu verknüpfen." Aber er sagt auch: "In Sachen digitaler Handel stehen wir erst am Anfang. Da wird sich noch ganz viel entwickeln." Die Falkenberger F+V Schuhe GmbH will sich diesen Herausforderungen stellen und weiter mit der (sozusagen technischen) Mode mitgehen, denn ausgelatschte Schuhe wären das denkbar schlechteste Markenzeichen für den Schuhhändler und für den Gaborshop24.de.