Der Schock war mit dem Winterfahrplan 2011/12 gekommen. Konnten Bahnreisende aus der Lausitz bis dahin nahtlos in Königs Wusterhausen vom Regionalexpress (RE) 2 in die Regionalbahn (RB) 14 umsteigen, so war der Anschlusszug jetzt weg. Mehr als 40 Minuten Wartezeit oder der Umweg über Berlin zum Flughafen Schönefeld mussten in Kauf genommen werden. Und das, wo die RE 2-Strecke Cottbus-Berlin gerade modernisiert und für Tempo 160 km/h freigegeben wurde. Anstatt die Attraktivität der Bahnverbindung mit dem Anschluss an den BER in Schönefeld zu erhöhen, wurde die Lausitz abgekoppelt.

Lückenschluss KW - Schönefeld

Der Protest aus der Region von Wirtschaftskammern, Kommunen und Politik scheint nun Früchte zu tragen. Nicht in dem Sinne, dass der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), der für die Fahrplangestaltung zuständig ist, den alten Zustand wieder herstellen würde. Dagegen spricht unter anderem die schnellere Fahrzeit des RE 2, der inzwischen von der Odeg gefahren wird, von Cottbus nach Berlin. Vielmehr soll nun eine von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus bereits Anfang 2012 ins Spiel gebrachte Lösung ernsthaft verfolgt werden: Der Potsdamer Airport-Express der Regionalbahn (RB) 22 von Berlin-Friedrichstraße über Potsdam-Hauptbahnhof und Golm nach Berlin-Schönefeld (alter Flughafen/S-Bahnhof) könnte schon zum Winterfahrplan 2013/14 bis nach Königs Wusterhausen verlängert werden. Damit bestünde von KW aus wieder ein direkter Anschluss nach Schönefeld.

Lösung auch für Pendler

Das Land Brandenburg, das die zusätzlichen knapp 20 Kilometer beim VBB bestellen und bezahlen müsste, scheint dazu bereit. Allerdings hat man sich mit dem Verkehrsverbund auf drei Abhängigkeiten verständigt: die Inbetriebnahme des neuen Airports BER, die betriebliche Umsetzbarkeit und die Kosten. Letztere Prämissen dürften nach Ansicht der Cottbuser Landtagsabgeordneten Kerstin Kircheis durchaus realisierbar sein. Immerhin stehen dem Land zusätzliche Regionalisierungsmittel des Bundes für den Schienenpersonen-Nahverkehr zur Verfügung. "Damit könnten auch die hinzukommenden Kilometer finanziert werden", erklärt die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion.

Aus Sicht von Kircheis wie von der Cottbuser IHK hat die Lückenschließung zwischen KW und Schönefeld aber nichts mit der Inbetriebnahme des BER zu tun. "Die Lausitzer fliegen doch auch jetzt vom alten Schönefelder Flughafen", erläutert die Abgeordnete mit dem Hinweis darauf, dass dafür zurzeit Umwege in Kauf genommen werden müssen. "Die Lücke KW - Schönefeld zu schließen, hat nichts mit dem BER zu tun." Für den Cottbuser IHK-Vize Jens Krause kommt hinzu, dass auch viele Pendler unter der gegenwärtigen Situation leiden. "Mehr als 40 Minuten Wartezeit- das ist inakzeptabel", sagt Krause.

VBB-Sprecher Eike Arnold kann da nicht widersprechen, verweist aber auf die enge Fahrplansituation in Berlin. All dies habe nichts damit zu tun, dass die Lausitz abgekoppelt werden sollte. "Der Bahnknoten Cottbus liegt uns am Herzen", betont Arnold. Deshalb gilt auch beim VBB die RB 22-Weiterführung als Lösungsvariante. Dass sie zum Fahrplanwechsel 2013/14 kommt, ist nicht ausgeschlossen. Ob die Strecke über Schönefeld-alt (S-Bahnhof) oder durch den Tunnel unter dem BER führen könnte - steht in den Sternen.