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Air Berlin
Abgehoben und dann nie mehr geflogen

Ein Airbus A320 der Fluglinie Air Berlin startet am Flughafen Tegel in Berlin. Der letzte Flug der Linie wurde am späten Freitagabend von München nach Berlin-Tegel absolviert.
Ein Airbus A320 der Fluglinie Air Berlin startet am Flughafen Tegel in Berlin. Der letzte Flug der Linie wurde am späten Freitagabend von München nach Berlin-Tegel absolviert. FOTO: Sophia Kembowski / dpa
Berlin . Die Air Berlin Gesellschaft hat am Freitag zu ihrem letzten Flug angesetzt. Das Flugpersonal ist sauer, die Passagiere gehen mit Wehmut von Bord. Der Konzern wird zerschlagen, doch noch sind einige Details für die Zukunft unklar. dpa

Nach fast vier Jahrzehnten verschwindet Air Berlin vom Flugplan. Die insolvente Airline hat sich vor ihrer letzten geplanten Landung von ihren Kunden verabschiedet. „Air Berlin bedankt sich an diesem traurigen Tag bei allen Mitarbeitern, Partnern und Passagieren, die uns über die vielen Jahre ihr Herz und ihre Treue geschenkt haben“, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Von heute auf morgen fallen nun rund 250 Flüge aus dem Angebot.

So viele Flüge hatte die Fluggesellschaft zuletzt im Durchschnitt noch täglich im Programm, wie ein Unternehmenssprecher mitteilte. Vor dem Insolvenzantrag Mitte August seien es täglich etwa 450 gewesen. Nun stellt die Fluggesellschaft ihren eigenen Flugbetrieb ein. Die offiziell letzte Maschine ist am Freitagabend von München nach Berlin-Tegel geflogen. An mehreren Flughäfen waren zu den letzten Flügen von Air Berlin Aktionen geplant, etwa Wasserfontänen in Saarbrücken und Düsseldorf.

Seit ihrem Erstflug 1979 habe die Airline mehr als eine halbe Milliarde Passagiere befördert, teilte Air Berlin mit. „Hoffnungen, Träume, die Sehnsucht nach der Ferne und die Liebe zum Reisen flogen immer mit und erzeugten Tausende Geschichten.“ Air Berlin – die nach Lufthansa bisher zweitgrößte deutsche Fluglinie – hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Nun wird der Konzern zerschlagen.

Die Lufthansa will die beiden Töchter Niki und LGW sowie weitere 20 Jets übernehmen, sofern die Kartellbehörden zustimmen. Niki und LGW sind nicht insolvent und fliegen weiter. Über die Übernahme weiterer Unternehmensteile wird auch mit der britischen Fluggesellschaft Easyjet und dem Ferienflieger Condor verhandelt.

Der Generalbevollmächtigte im Insolvenzverfahren bei Air Berlin, Frank Kebekus, geht davon aus, „dass wir 70 bis 80 Prozent der Arbeitsplätze überleiten können“.

Bis zu 3000 Mitarbeiter sollen bei der Lufthansa-Tochter Eurowings unterkommen. Davon sollen rund 1700 Mitarbeiter mit Niki und LGW direkt übernommen werden, auf die anderen 1300 Stellen können sich Interessenten bewerben. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit kritisierte, statt eines geregelten Übergangs gebe es für viele Mitarbeiter nur die Möglichkeit, sich erneut „auf ihre eigenen Jobs, aber zu schlechteren Konditionen“ zu bewerben. Das sorgt bei Teilen des bisherigen Flugpersonals für Frust.

Die Air-Berlin-Technik soll von der Berliner Logistikfirma Zeitfracht und der Wartungsfirma Nayak gekauft werden. Rund 300 Mitarbeiter werden übernommen, für weitere 550 soll es eine Auffanggesellschaft geben. Ein Betriebsübergang aller Mitarbeiter, für den sich auch die Gewerkschaft Verdi eingesetzt hatte, ist nach bisherigem Stand aber eher unwahrscheinlich.