Herr Vogelsänger, seit zwei Monaten gibt es Probleme beim RE 2. Hätte man die Strecke nicht an die Odeg geben dürfen?
Die Ausschreibungen haben sich bewährt. Das Problem, das wir in Deutschland haben, ist ein anderes: Immer wieder gibt es Schwierigkeiten mit der Fahrzeugzulassung. Die Hersteller beschimpfen deswegen das Eisenbahnbundesamt, das Eisenbahnbundesamt die Hersteller und so weiter. Deswegen habe ich mich mit dem Staatssekretär Odenwald vom Bundesverkehrsministerium über die Einrichtung eines Runden Tisches verständigt, bei dem alle Beteiligten an Bord sind. Wir wollen nicht, dass solche Dinge wieder vorkommen.

Werden denn im April genug neue Doppelstockzüge vom Typ Kiss bereitstehen, damit die Odeg auf die DB-Züge verzichten kann?
Ich bekomme regelmäßig schriftliche Berichte von der Odeg. Im Moment können wir davon ausgehen, dass alles nach Plan verläuft und die Odeg die kritische Situation erkannt hat.

Warum kann die Odeg einfach so einen Halt wie in Brand streichen?
Die Odeg hat das nicht allein gemacht. Sie hat den Halt in Absprache mit dem Verkehrsverbund gestrichen - Brand ist ja über die Regionalbahn weiter im Stundentakt erreichbar. Deswegen habe ich als Verkehrsminister die zeitweise Streichung auch genehmigt: Denn ansonsten wäre ein anderer Halt am Ende völlig ausgefallen. Ich weiß, dass es an dieser Stelle auch Widerspruch in der Region gibt, aber damit muss man als Verkehrsminister leben.

Die neuen Kiss-Züge fahren schon seit einigen Wochen auf der Strecke RE 4 Rathenow - Berlin - Jüterbog. Wie ist die Zwischenbilanz?
Mir sind zu den Zügen, die fahren, keine Beschwerden bekannt. Und ich hoffe, dass es so bleibt.

Nach der Wende hat das Land Unmengen Steuergelder in den Erhalt der Eisenbahnindustrie, etwa in Henningsdorf, investiert. Aber kaum ein Produkt von dort litt nicht unter Kinderkrankheiten. Hätte man das Geld besser für etwas anderes ausgeben sollen?
Es hat sich gelohnt, diese Indus triestandorte zu erhalten. Dennoch haben die Hersteller natürlich eine besondere Verantwortung: Wer einen Auftrag übernimmt, ist auch in der Pflicht, ihn möglichst gut zu erfüllen.

Sind die Schienenfahrzeuge aus der Region wettbewerbsfähig?
Sie sind wettbewerbsfähig: Bei Ausschreibungen von Unternehmen haben sie den Zuschlag erhalten. Aber sie müssen zuverlässiger werden und die Zulassung des Eisenbahnbundesamts und der entsprechenden europä ischen Behörden erhalten. Zum Beispiel auch der polnischen Behörden - denn wir können uns darauf freuen, dass die Strecken Berlin - Stettin, Berlin - Gorzow und Berlin - Breslau ins Kernnetz des europäischen Verkehrswegeplans aufgenommen wurden. Dafür kann es künftig EU-Mittel geben. Vielleicht können wir dadurch auch die Elektrifizierungslücke zwischen Berlin und Stettin schneller schließen als erst 2020.

Ein anderes Thema: Auf Brandenburgs Straßen häufen sich die Schlaglöcher. . .
Ich habe bei den Planungsmitteln für die Bundesfernstraßen keine Kürzungen vorgenommen. In meinen drei Jahren als Verkehrsminister habe ich eine Reihe von Ortsumgehungen bauen können, außerdem geht der erste Abschnitt der A 14 in Bau. Für die Landesstraßen stehen begrenzt Mittel zur Verfügung. Wenn man im Land Haushaltsprioritäten setzt, heißt das auch, dass man an anderer Stelle spart. Und bei den Landesstraßen haben wir deutlich zu wenig Mittel für Bau und Unterhalt.

Also künftig weniger Ortsumgehungen und dafür auch weniger Schlaglöcher?
Das machen wir ohnehin schon. Ich habe die Zahl der Neubaumaßnahmen bei Landesstraßen von 82 auf 18 reduziert - und damit nicht bei der Unterhaltung gekürzt. Aber insgesamt reicht es nicht.

Mit Jörg Vogelsänger

sprach Benjamin Lassiwe