Das Interesse polnischer Unternehmen am deutschen Markt spiegelt sich unter anderem in Berlin wieder, wo bereits Schuhe und Sportkleidung polnischer Ketten verkauft werden. Das gesteigerte Interesse bekommt auch Lars Bosse zu spüren, der Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Polnischen Außenhandelskammer (AHK) in Warschau. "Der deutsche Markt wird von polnischen Unternehmen immer stärker nachgefragt", sagt er.

Polen wollen investieren
Nach dem EU-Beitritt Polens sind darunter auch immer mehr kleine und mittelständische Unternehmen. "Außerhalb des Urlaubs haben die noch nichts von der Welt gesehen" beschreibt Bosse engagierte und willige, aber mitunter an Bürokratie und Unkenntnis mit den Regeln im Nachbarland verzweifelnde Investoren, die - ganz gegen den Trend der Abwanderung aus Deutschland - ausgerechnet im Hochlohnland Deutschland neue Arbeitsplätze schaffen wollen.
Steuerrecht und Baugenehmigungen sind jedoch nur ein Problem. In der Praxis komme es oft genug zum Kulturschock, berichtet Marek Kloczko, Präsident der Polnischen Industrie- und Handelskammer. "Zwischen Deutschland und Polen sind die Kulturunterschiede zum Glück geringer als etwa mit Japan, aber viele polnische Unternehmen haben noch gar keine Erfahrung mit ausländischem Engagement."
Trotz der räumlichen Nähe von Deutschland und Polen kann die erste Begegnung auf Grund der Kultur- und Mentalitätsunterschiede schnell zum Reinfall führen - angefangen vom ganz unterschiedlichen Zeitgefühl der Polen und Deutschen über unterschiedliche Kommunikationsmodelle über die richtige Anrede bis hin zur Terminplanung. Die Deutsch-Polnische AHK hat daher einen zweisprachigen "Knigge" für deutsche und polnische Unternehmer über den richtigen Umgang mit Geschäftspartnern im Nachbarland erarbeitet.
"Das ist ein Buch, das man auch abends nach getaner Arbeit durchschmökern kann, ohne wissenschaftliche Ansprüche" versichert Bosse. Schulungen für Unternehmer ergänzen das Angebot. Autor Krzysztof Wojciechowski ist als Dozent der Europa Universität Viadrina theoretisch wie praktisch seit Jahren mit deutsch-polnischer Nachbarschaft beschäftigt. Seine Ratschläge lesen sich für alle, die "beide Seiten" näher kennen, erfrischend wirklichkeitsnah.

Ungeduldiges Drängeln bringt nichts
So wird polnischen Unternehmern nahe gelegt, beim Gespräch mit dem deutschen Gesprächspartner auch mal das allgegenwärtige Mobiltelefon auszuschalten. Deutsche Unternehmer wiederum werden darauf aufmerksam gemacht, dass der Begriff "gleich" im Polnischen eine wesentlich elastischere Bedeutung hat als im Deutschen und das Drängen auf Regeln, Terminpläne und genaue Planungsvorgaben leicht als Misstrauen gewertet wird. Die Polen warnt Wojciechowski, eine unbekümmerte "Ach, das wird schon"-Haltung sei fatal, dass sie dem deutschen Geschäftspartner Unzuverlässigkeit suggeriere. "Das durchschnittliche polnische Verhalten wird von Deutschen als unruhig und chaotisch aufgefasst" warnt er. Den Deutschen wiederum wird versichert, es sei falsch, "angesichts des dramatisch nahen Termins zu zweifeln, ob die Polen ihre Aufgabe erfüllen." Stattdessen sollten sie li eber auf die Kreativität der improvisierfreudigen Partner setzen.