Herr Gerke, was bedeutet die Fusion für Deutschland?
Hier passiert kein Big Bang. Vielmehr haben wir es mit einer Entwicklung zu tun, wie wir sie schon bei der Hypovereinsbank beobachten konnten, die vor drei Jahren von der italienischen Unicredit übernommen wurde.

Also nichts Neues am Finanzmarkt?
Wichtig ist, dass jetzt auch deutsche Geldinstitute eine Größe erlangen, um vielleicht selbst einmal als Kaufinteressent im europäischen Geschäft auftreten zu können. Bisher war es so, dass sich die europäische Konkurrenz stark in Deutschland engagiert hat. Nur: Die Sparkassen und die Genossenschaftsbanken bleiben im Privatkundengeschäft die dominierenden Kräfte.

Ist die Dresdner Bank ein Opfer der Finanzmarktkrise?
Nicht nur. Die Dresdner Bank hat sicher Investments getätigt, die zum großen Teil auch abgeschrieben werden mussten. Es war aber auch der Durchbruch erreicht, dass man über die Dresdner Bank zunehmend Altersvorsorgeprodukte der Allianz vertrieben hat. Diese Schiene wird mit dem neuen großen Kreditinstitut weiter verfolgt. Da die Allianz etwa 30 Prozent an der neuen Bank halten wird, hat sie kein schlechtes Geschäft gemacht.

Die China Development Bank, kurz CDB, hatte auch Interesse an der Dresdner Bank. Was wäre der Unterschied gewesen?
Wenn die Chinesen den Zuschlag bekommen hätten, dann wäre das für die Mitarbeiter der Dresdner Bank sicher wesentlich angenehmer gewesen. Denn die CDB hätte die Mitarbeiter dringend gebraucht und nicht gleich ein großes Entlassungsprogramm gestartet. Für die Allianz wäre es aber eine vage Hoffnung gewesen, über diese Bank einen Zutritt in den chinesischen Markt zu bekommen. Die Allianz hat sich für die bessere betriebswirtschaftliche Alternative entschieden.

Dafür bleiben jetzt 6500 Arbeitsplätze in Deutschland auf der Strecke.
Insgesamt bleiben über 9000 Jobs auf der Strecke, davon 6500 in der deutschen Zentrale sowie in den Zweigstellen. Für die Betroffenen ist das sehr schmerzlich.

Wird der Personalabbau den Service negativ beeinflussen?
Nein. Das kann sich die Bank nicht leisten, denn der Wettbewerb in Deutschland ist sehr scharf. Einen schlechteren Service würde der Kunde nicht mitmachen. Langfristig ist sogar davon auszugehen, dass seine Konditionen besser werden, wenn sich die neue Bank im Markt gut aufstellt und Kosten spart.

Mit WOLFGANG GERKE sprach Stefan Vetter