In fünf Minuten ist es geschafft - der neue Kraftwerksblock R steht. Zumindest im Film, der bei der Inbetriebnahme am Donnerstagnachmittag im Festzelt läuft. Im wahren Leben hat es mehr als fünf Jahre gedauert, um den "BoxR", wie ihn die Fachleute nennen, entstehen zu lassen. Mehr als eine Milliarde Euro sind in dieser Zeit verbaut worden und Block R ist neben seinem "Bruder" Q, der 2000 ans Netz ging, gewachsen.

Die Ursprünge für die Feierlichkeiten am Donnerstag reichen allerdings noch weiter zurück. Ulrich Freese, stellvertretender Vorsitzender der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, erinnert an den 1. Februar 1994, als 10 000 Menschen in Weißwasser demonstrieren und den Neubau des Doppelblocks am Kraftwerksstandort Boxberg eingefordert haben. "Dass der Block R kommt, daran habe ich zwischendurch auch schon mal gezweifelt", sagt Boxbergs Bürgermeister Roland Trunsch (Freie Wähler) gegenüber der RUNDSCHAU. Um so froher ist er, dass nun Einweihung gefeiert werden kann. "Das ist wirklich ein guter Tag für uns", so Trunsch.

Dass es nicht nur ein guter Tag für Boxberg, sondern für die gesamte Energieregion Lausitz ist, in diesen Tenor stimmen Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU), Tuomo Hatakka, Geschäftsführer der Vattenfall GmbH, und Hartmuth Zeiß, Vorstandsvorsitzender der Vattenfall AG, mit ein. "Der Energie-Standort steht stellvertretend für die Erfolgsgeschichte der Modernisierung der ostdeutschen Braunkohlenindustrie", so Hartmuth Zeiß. Denn der Kraftwerksblock repräsentiere mit seinem Wirkungsgrad von derzeit 44 Prozent den bestmöglichen Standard. "666 Megawatt - alles ist im grünen Bereich", kann Vattenfall-Vorstand Hubertus Altmann dann auch per Live-Schaltung aus der Schaltwarte melden, nachdem der symbolische Knopfdruck erfolgt ist. Vor den Monitoren wachen Operator Klaus Liebsch samt Kollegen über die Anlage, die 160 Kilo Braunkohle je Sekunde braucht, um Strom zu erzeugen. Die Kohle kommt aus den Tagebauen Nochten und Reichwalde.

"Unsere heimische Braunkohle ist ein bedeutender Partner für die erneuerbaren Energien, da sie Versorgungssicherheit garantiert", so Stanislaw Tillich. Auch Tuomo Hatakka erklärt, dass die Kohle so lange ein unverzichtbarer Energieträger bleiben werde, bis das Ziel der Bundesrepublik erreicht sei, 80 Prozent der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zu erhalten. "Boxberg R wird ein wichtiger Pfeiler für die Versorgungssicherheit sein", unterstreicht Hatakka vor 900 Gästen. Zudem erklärt er, dass Vattenfall anstrebe, bis 2050 seine gesamte Energieproduktion CO{-2}-neutral zu gestalten. Dabei setzt das Unternehmen europaweit auf Kohle, Kernenergie, Gas, Wasser, Wind und Biomasse.