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| 02:38 Uhr

79 Millionen für Bauprojekte am BER

Die Verkehrsinfrastruktur rund um den Hauptstadtflughafen wird im kommenden Jahr ausgebaut.
Die Verkehrsinfrastruktur rund um den Hauptstadtflughafen wird im kommenden Jahr ausgebaut. FOTO: dpa
Schönefeld. Schönefelds Bürgermeister Udo Haase (parteilos) will das erwartete Verkehrschaos nach der BER-Eröffnung vermeiden. Deshalb plant er Kreisverkehre, Radwege und Zufahrten zu Gewerbegebieten für 79 Millionen Euro. Oliver Becker / dpa/bl

Für die nächsten Jahre hat Schönefelds Bürgermeister Udo Haase (parteilos) viel vor. Mit Blick auf die anstehende Eröffnung des Willy-Brandt-Flughafens Berlin Brandenburg (BER) Ende 2017, die damit einhergehenden Gewerbeansiedlungen und den Bevölkerungszuwachs, will er in Schönefeld wichtige Infrastrukturprojekte realisieren, um dem Zuwachs an privaten und gewerblichen Verkehr angemessen zu begegnen. Erst kürzlich ließ er eine Liste mit geplanten, teilweise bereits im nächsten Jahr anstehenden Bauvorhaben erstellen. Geschätzte Gesamtkosten: 79 Millionen Euro. "Wir haben einmal alles aufgelistet, was aus unserer Sicht in Schönefeld gemacht werden muss", sagte er.

Zu den größten Bauvorhaben in den nächsten fünf Jahren zählt mit Kosten von 16,3 Millionen Euro der Bau der Anschlussstelle West - ein großes Brückenbauwerk über Bahntrasse und B96a. Die Hans-Grade-Allee soll verlängert und eine Zufahrt zum nördlich des Flughafens geplanten Gewerbegebiet geschaffen werden. Für 14,3 Millionen Euro soll auch die neue Autobahnanschlussstelle Hubertus mit Zufahrten zur Waltersdorfer Straße und dem geplanten Gewerbegebiet Ost kommen. Die Fertigstellung ist für spätestens 2020 geplant.

"Man hat hier die Ostanbindung der Bahn gebaut und die alte Autobahn A117 an der Stelle unterbrochen und mit einer Behelfsbrücke versehen. Jetzt muss hier die Autobahn in Gänze wieder über die Bahntrasse geführt und eine Brücke mit Zufahrten gebaut werden", sagte Haase.

Um weitere Staus künftig zu verhindern, sollen 2017 in Waltersdorf ein Kreisverkehr an der Kirche entstehen, sowie 2018 die Kreuzung Grünauer/Ecke Berliner Straße baulich vergrößert werden. Kosten: 1,5 Millionen Euro. "Wenn der Flughafen kommt, sind diese Brennpunkte weg", so Haase. Damit die Radfahrer von der Straße kommen, sind zwei Radwege für insgesamt rund drei Millionen Euro geplant - einer von Waltersdorf nach Rotberg, ein zweiter von der S-Bahn Schönefeld entlang der Jürgen-Schumann-Allee zum Flughafen-Terminal. Beide sollen spätestens 2018 fertig gestellt sein. Weitere Millionen sollen der Bau eines Haltepunkts für die Regionalbahn in Waltersdorf, sowie ein weiterer Autobahnanschluss in Kiekebusch kosten. "Mit dem neuen Haltepunkt kommen die Menschen im Gewerbegebiet gut zur Arbeit", so Haase.

Der Bürgermeister hofft, dass er rund ein Drittel der Gesamtsumme an Fördermitteln vom Land zurückbekommt, darunter die Hälfte der Baukosten für die Anschlussstelle West. Doch Bund und Land wollen nicht zahlen. "Das sind alles Projekte, wo Bund und Land sagen: Wenn ihr es haben wollt, dann zahlt es alleine", kritisierte Haase. "Wir werden doppelt bestraft: Wir zahlen eine Kreisumlage von derzeit 48 Millionen und an das Land eine Sonderabgabe von 28,5 Millionen, oben drein für andere Projekte, die das Land realisieren müsste. Aber wir müssen vorausschauend planen und Staus verhindern."

Der Kreisgebietsreform steht er skeptisch gegenüber, da damit voraussichtlich die Kreisumlage steigen werde. Gegen die Sonderabgabe, die die reiche Gemeinde als Ausgleich in den Fördertopf für finanzschwache Gemeinden jedes Jahr zahlen muss, habe er geklagt und verloren. "Wir können jetzt nur versuchen, politisch eine neue Richtung aufzutun, indem mit der Landesregierung verabredet wird: Acht bis zehn Jahre bleibt der Finanzausgleich von Schönefeld in der Region um den Flughafen und wird nicht im ganzen Land verteilt. Das wäre die Lösung für alle." Das Land habe ausreichend Steuereinnahmen.

"Wir müssen dieses Geld in der Region, in allen Umlandgemeinden von Zeuthen über Eichwalde, Schulzendorf, Wildau bis nach Mahlow im benachbarten Landkreis behalten", so Haase. Gebraucht würden Straßen, Kreisverkehre, Fahrradwege. "Lasst uns ein paar Jahre das Geld dort einsetzen, sonst stehen wir da, der Flughafen kommt und wir werden alle überrollt", sagte der Bürgermeister. Die Bauvorhaben kämen nicht nur der Region, sondern dem Land zugute.

Zum Thema:
Die schon mehrfach verschobene Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER soll nach einem "Bild"-Bericht erneut vertagt werden. Das berichtete die Zeitung am Dienstagabend. Ein Sprecher der Flughafengesellschaft sagte dazu: "Wir wollen auf Basis einer verlässlichen Grundlage den Termin festlegen und das wird im Januar sein." Brandenburgs Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider erklärte: "Mir ist keine Entscheidung zwischen Weihnachten und Neujahr bekannt." dpa/bl