"Sicher wäre jeder Zeitpunkt des Einstiegs rein rechnerisch in den vergangenen drei Jahren besser gewesen als jetzt", sagt Gerrit Fey vom Deutschen Aktieninstitut (DAI). Wer bei einem Dax-Stand von 2200 Punkten eingestiegen wäre, hätte sein Geld bis heute fast verdreifacht. Doch die Deutschen - gebrannte Kinder der geplatzen Börsenblase - brauchen offenbar deutlich mehr Zeit als erwartet, bis sie ihr Geld wieder dem Kapitalmarkt anvertrauen. "Doch je höher die Kurse steigen, desto dünner wird die Luft", sagt Kurz.
Noch ist der Zug nicht abgefahren, sind sich Analysten und Anlegerschützer einig. "Die Werte wollen nur sorgfältiger ausgewählt werden", sagt DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker. "Die Solar- und Nanotechnikwerte sind sicher abgegrast. Da ist das Rückfallrisiko zu groß." Dagegen hält Hocker die international gut aufgestellten deutschen Industrieunternehmen für interessant. Auch in der zweiten und dritten Reihe finden sich Perlen.
Bislang hat die Börse trotz der hohen Kurssprünge besonnen reagiert. "Die Situation ist nicht vergleichbar mit der zur Zeit des neuen Marktes", ist Kurz überzeugt. Die Kurse seien von den guten Unternehmenszahlen getrieben. "Daher besteht auch nicht die Gefahr eines massiven Einbruchs." Dennoch werde das weitere Wachstum langsam immer schwieriger für die Unternehmen. "Wahnsinns-Kursgewinne sind in diesem Jahr sicher nicht drin", glaubt der Anlegerschützer. Kleinere Verschnaufpausen schon eher. Von dem Traum einer Rendite von 30 oder 40 Prozent mit Aktien sollten sich Anleger ohnehin verabschieden, wenn sie nicht das damit verbundene Risiko eingehen wollen.

Regelmäßig und langfristig sparen
Ohnehin empfiehlt es sich, regelmäßig und langfristig zu sparen, statt sein gesamtes Vermögen auf einen Schlag anlegen zu wollen. Auf lange Sicht gleichen sich günstige und ungünstige Einstiegspreise dann wieder aus, sagt Fey. "Dabei schadet es auch nicht, ab und zu Gewinne mitzunehmen."
Kleinanleger sollten an der Börse jedoch nur Geld investieren, das sie für mindestens fünf Jahre nicht brauchen - auch nicht, wenn das Auto oder die Waschmaschine kaputt gehen. Für eine breit gestreute reine Aktieninvestition empfiehlt Fey mindestens acht bis zehn Standardwerte. Dabei müsste der Anleger jeweils einige tausend Euro investieren. Bei je 2000 Euro wären das in der Summe bereits 16 000 bis 20 000 Euro. Kleinere Beträge lohnen sich wegen der Ordergebühren kaum.

Indexfonds mit geringem Aufwand
Wer sich nicht durch Geschäftsberichte, Wirtschaftsnachrichten und Aktienanalysen graben will, ist mit Aktienfonds oder Zertifikaten besser dran. Gleiches gilt für Kleinanleger, die statt großer Geldsummen lieber 50 Euro monatlich anlegen wollen. Für Sparen ohne großen Aufwand bieten sich etwa Indexfonds an. Die richten sich strikt nach der Zusammensetzung des Index, etwa des wichtigsten deutschen Börsenbarometers Dax. Das mindert nicht nur das Risiko, es entstehen durch den geringen Managementaufwand auch nur minimale Gebühren - ein Grund, warum die Banken lieber andere Produkte verkaufen. Nach dem selben Prinzip lässt sich auch in den M-Dax oder Tech-Dax investieren.