Ihren Siegeszug konnten die Würstchen jedoch erst mit der Konservierung und der von da an wesentlich längeren Haltbarkeit antreten. Ein steiniger Weg für ihren Erfinder Heine. Bereits 1894 versuchte er, die Würstchen in Dosen zu verpacken. Der Wernigeröder Fürst wurde jedoch im folgenden Jahr auf einer Gewerbeausstellung im nahen Elbingerode unfreiwillig Zeuge des Misserfolgs. Die "Halberstädter", die man ihm kredenzen wollte, waren sämtlich verdorben. Blamabel, aber kein Grund, das Ziel aus den Augen zu verlieren.

Experiment geglückt
Ein Großauftrag ließ Heine 1896 erneut experimentieren. Zur Einweihung des Kyffhäuserdenkmals wurden 40 000 Paar Würstchen bestellt. Drei Viertel davon füllte man in Dosen. Aber der zarte Naturdarm durfte dabei nicht platzen. Als ein Unwetter die große Feierlichkeit vorzeitig beendete, glaubte Friedrich Heine an einen Riesenverlust, der seine Existenz kosten könnte. Doch die konservierten Würstchen blieben haltbar.
Der Halberstädter Betrieb mit anfangs fünf Angestellten wurde zu einer der größten Fleischverarbeitungsfabriken Europas. Seit Anfang dieses Jahres firmiert das Unternehmen unter dem Namen Halberstädter Würstchen und Konservenvertriebs GmbH, sagt der Vertriebsleiter Konserven, Karlheinz Krone. Unter einer Dachmarke sind damit Vertrieb und Produktion sowie das eigene Hotel- und Kongresszentrum mit Brauerei vereint.
Zu DDR-Zeiten galten die leckeren Würstchen als begehrte Bückware. Nach der Wende und der Privatisierung 1992 verlor das Hauptprodukt nichts an seiner Beliebtheit. Bei den 80-Gramm-Exemplaren - zu je fünf Stück in einem Glas - hat es das Unternehmen inzwischen in die Bundesliga geschafft. Kein Anbieter verkauft deutschlandweit mehr solcher Würste als die Fleischer aus der Vorharzstadt. Krone ist stolz darauf, denn nach wie vor fällt selbst einem solchen Markenprodukt wie den Halberstädter Würstchen der Weg in alle bundesdeutschen Regale schwer. Harz und Heide - Sachsen-Anhalt und Niedersachsen - gehören zu den wichtigsten Absatzgebieten. Im Altbundesgebiet liegt der Marktanteil bei gerade 2,5 Prozent. Dagegen reichte es 2002 in den neuen Ländern problemlos zu Platz eins. Mit einem Marktanteil von 35 Prozent bei Würstchen im Naturdarm rangiert das Unternehmen fast zwei Pro zent über dem Vorjahreswert. National bringt das den dritten Rang.

Mehr als 70 verschiedene Produkte
Ohne Innovationen geht es aber auch in Halberstadt nicht. Seit wenigen Wochen gibt es im Handel eine Reihe neuer Leckereien. "Frühstückchen" heißt das 25 Gramm schwere Mini-Exemplar in der Dose, das besonders für Hotels geeignet ist, sagt Krone. Außerdem erweitern Knobländer und neue Dosensuppen wie Bördetopf, Würstchengulasch und Ungarische Goulaschsuppe das Sortiment.
Mehr als 70 Produkte, von 300 Mitarbeitern gefertigt, gehören inzwischen zum Konserven-Angebot, 60 Prozent davon sind Würstchen in unterschiedlichen Variationen. Der Umsatz liegt stabil bei rund 25 Millionen Euro im Jahr.