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| 18:21 Uhr

Internationale Funkausstellung in Berlin
Sprachsteuerung verdrängt Fernbedienung

Zu der Zeit, als Lautstärke oder Programm am Fernseher eingestellt werden mussten, war die Fernbedienung ein Fortschritt. Droht ihr jetzt das Aus.
Zu der Zeit, als Lautstärke oder Programm am Fernseher eingestellt werden mussten, war die Fernbedienung ein Fortschritt. Droht ihr jetzt das Aus. FOTO: dpa / Monika Skolimowska
Berlin. Wenn sie nicht gerade in der Sofaritze verschwunden ist, hat die Fernbedienung auf vielen Couchtischen noch einen festen Platz. Doch Experten sagen dem Gerät das Ende voraus. Ob sich damit jedoch der Streit um die Macht übers TV-Programm erledigt hat, bleibt abzuwarten. Von Marek Majewsky

„Die Fernbedienung wird langsam aber sicher vom deutschen Couchtisch verschwinden“, sagt etwa Christopher Meinecke vom Bitkom voraus. Zwar gehe dies bei jüngeren Fernsehzuschauern schneller als bei älteren, doch früher oder später seien die Vorteile einer einfachen Bedienung durch Sprache entscheidend. Es gebe schlicht keinen Grund mehr, eine Fernbedienung zu besitzen. „Ich glaube, in einigen Jahren werden wir zurück schauen und darüber lachen, dass Geräte ohne Sprachsteuerung verkauft wurden und der Couchtisch voll mit Fernbedienungen lag“, sagt Meinecke.

„Vor zehn Jahren gab es noch für jedes Gerät eine Fernbedienung“, sagt Michael Langbehn vom Elektronikhersteller Panasonic. Zwar werde auch heute noch eine Fernbedienung beim Kauf eines neuen Gerätes mitgeliefert, gebraucht werde sie jedoch immer seltener. So könnten mittlerweile Fernseher oder Stereoanlagen des Herstellers mit einer einzigen App gesteuert werden. Bei der Technik-Messe Ifa wird nun auch stolz die Sprachsteuerung des gesamten Wohnzimmers präsentiert. So könne neben dem Fernseher ebenfalls die Klimaanlage und das Licht vom Sofa aus mit der eigenen Stimme bedient werden.

Auch andere Hersteller nehmen einen schwindenden Gebrauch von Fernbedienungen wahr: Logitech aus der Schweiz verkauft etwa immer weniger Infrarot-Universalfernbedienungen. Umsatzeinbußen befürchtet der Konzern jedoch nicht. Zwar habe der Verkauf von Infrarot-Fernbedienungen laut CEO Bracken Darrell in der Vergangenheit abgenommen, dafür steige aber die Zahl der verkauften Hub-Steuerungen mit deren Hilfe man auch ältere Geräte per Sprache steuern könne.

Ein Blick auf Statistiken unterstützt die These, dass die Fernbedienung immer unbedeutender wird: Wer ein Smart-Home-Gerät – etwa einen Smart TV, intelligente Beleuchtung oder eine vernetzte Heizung – besitzt, steuert dieses laut Bitkom in mehr als drei Viertel der Fälle mit dem Handy. Die Fernbedienung liege mittlerweile auf dem dritten Platz (38 Prozent), bereits dicht gefolgt vom Sprachassistenten (37).

Wirklich aussterben wird die Fernbedienung nach Ansicht der Elektronik-Hersteller vorerst jedoch nicht. Zwar glaubt etwa Langbehn, dass sich die Sprachsteuerung durchsetzen werde, es gebe jedoch sicherlich Gruppen die deren Einsatz etwa aus Datenschutzgründen verweigern würden.