Nach seinem Kurswechsel beim Nachtflugverbot am künftigen Hauptstadtflughafen BER steht Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) unter heftigem Beschuss. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hielt am Mittwoch seinem Parteifreund vor, gegen die eigene Überzeugung zu handeln. Brandenburgs Grüne sprachen von einer Schauveranstaltung. "Tiefste Provinz statt touristisches Trendziel", kritisierte der Generalsekretär des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft, Michael Rabe. Auch die Wirtschaftsinitiative Lausitz (WiL) warnte, "den neuen Flughafen BER zu einem Provinzflughafen zu degradieren". Der Flughafen sei das wichtigste Infrastrukturprojekt für Ostdeutschland und damit auch für den Wirtschafts- und Industriestandort Lausitz. "Die positiven Folgewirkungen für Beschäftigung, Ausbildung, Logistik und internationale Fluganbindung dürfen nicht aufs Spiel gesetzt werden", erklärte der WiL-Vorsitzende Dr. Hermann Borghorst. Platzeck hatte zuvor erklärt, er wolle mit den anderen beiden Gesellschaftern des Flughafens einen Kompromiss aushandeln, sobald der Landtag das Volksbegehren dazu angenommen habe. Dessen Initiatoren fordern ein Flugverbot zwischen 22 bis 6 Uhr.

Indes scheinen erste Fluglinien schon vom Standort Berlin abzurücken. Ryanair-Chef Michael O'Leary erklärte am Mittwoch, für die kommenden Jahre sei dort kein Wachstum geplant. Es bleibe aber bei den bestehenden sechs Verbindungen. Wachstumspotenzial sehe er stattdessen auf dem für die Airline deutlich günstigeren Airport Leipzig/Halle.

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