Wenn an diesem Donnerstag in Wien die vermutlich letzte Runde über das iranische Atomprogramm beginnt, geht es nicht nur um Politik. Die Gespräche der fünf UN-Vetomächte und Deutschlands mit dem Iran werden weltweit auch von der Wirtschaft mit großem Interesse verfolgt. Dank ihrer traditionellen, guten Beziehungen machen sich vor allem die Deutschen große Hoffnungen, mit dem Iran wieder ins Geschäft zu kommen.

Die Bundesrepublik war über Jahrzehnte hinweg einer der wichtigsten Handelspartner und auch High-Tech-Lieferanten des Iran, bis hin zur Nukleartechnik. Das einzige iranische Atomkraftwerk - das AKW Buschehr im Süden des Landes - wurde nach Plänen von Siemens und AEG-Telefunken gebaut. Wirksame Sanktionen wären ohne deutsche Beteiligung kaum möglich gewesen.

"Made in Germany" ist im Iran hoch angesehen, in vielen Fabriken stehen deutsche Maschinen. Sie müssen aber dringend überholt oder ausgetauscht werden. Auch die iranische Öl- und Gaswirtschaft braucht einen Modernisierungsschub, um die riesigen Rohstoffvorkommen zu heben.

Im zuständigen Bundeswirtschaftsministerium klingeln seit geraumer Zeit öfters die Telefone, seit zu Jahresbeginn einige EU- und US-Sanktionen befristet gelockert wurden. Viele Mittelständler wollen von den Beamten wissen, wann sie endlich wieder im großen Stil Geschäfte im Iran machen können - und wie die deutsche Regierung hilft.

So kann der Bund über "Hermes-Bürgschaften" dem Unternehmer das Risiko abnehmen, wenn ein iranischer Geschäftspartner nicht zahlt (auf dem Transparency-Korruptionsindex liegt die Islamische Republik auf Platz 144 von 177 Ländern). Das ist im Moment jedoch nur für kurzfristige Exportgeschäfte im humanitären Bereich wie Lebensmittel- oder Medizinprodukte möglich.

Das Haus von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) bereitet sich auf den Tag X mit der Aufhebung der westlichen Sanktionen vor: das Ministerium halte "die Gesprächskanäle mit dem Iran, wie auch in der Vergangenheit, weiterhin offen".

Bis Ende September 2014 zogen die deutschen Iran-Exporte im Vorjahresvergleich bereits um rund 36 Prozent auf 1,77 Milliarden Euro an. "Bei einer Einigung könnten die Exporte wieder rasch auf das Niveau wie vor den Wirtschaftssanktionen ansteigen", glaubt der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. 2005 hatten die deutschen Ausfuhren 4,4 Milliarden Euro erreicht.

Der Exportverband BGA hofft, dass mehr Geschäft im Iran auch die Ausfälle durch die Russland-Ukraine-Krise wettmachen könnte: "Das Land wäre mit seiner diversifizierten Wirtschaft, seiner jungen und gut ausgebildeten Mittelschicht und seinen Bodenschätzen ein lohnender Markt."

Der Iran ist aber nicht nur für die großen Dax-Konzerne spannend - viele spezialisierte Mittelständler haben ihre guten Kontakte zum Mullah-Regime nie ganz abreißen lassen. Experten warnen indes vor zu hohen Erwartungen - andere Nationen seien besser aufgestellt. China, Russland und die Türkei haben seit Beginn der Sanktions-Eiszeit die Lücke genutzt, die durch das Wegbleiben westlicher Konzerne entstanden war. Auch die USA sind längst wieder sehr aktiv. In Teheran ist es etwa kein Problem, sich mit neuesten Apple-Produkten einzudecken.