Tony Abbott (55) tritt nach dem Wahlsieg in Australien wie ein neuer Firmenboss auf: "Ab heute ist unser Land unter neuem Management und offen für neue Geschäfte", erklärte der bisherige Oppositionsführer noch am Samstagabend vor Anhängern. Der ehemalige Priesteranwärter und fromme Katholik hat ein konservatives Programm vorgelegt: weniger Steuern, weniger Staatsausgaben, Nein zur Homo-Ehe, Nein zu illegalen Einwanderern. Er sei ein "pragmatischer Nationalist", sagt der Berufspolitiker.

Am Sonntag versprach Abbott in einem Brief an die Australier zwa r Neues zur Kinderbetreuung, einer Versicherung bei Erwerbsunfähigkeit und Breitbandverkabelung für alle. Und im Wahlkampf punktete er mit einem großzügigen Paket für bezahlten Mutterschaftsurlaub. Aber ins Schwärmen geraten Abbott und sein designierter Finanzminister Andrew Robb vor allem bei ihren Wirtschaftsplänen .

"Wir werden den Rohstoffboom wieder starten, und wir werden den Appetit auf Risiko und Investitionen neu wecken", kündigte Robb an. Das Geschenk der Konservativen an Big Business: ein Ende der CO2-Steuer, die demnächst in einen Emissionshandel nach europäischem Muster münden sollte, und die Abschaffung einer Steuer auf Megagewinne der Kohle- und Eisenerzindustrie. Bergbauprojekte für 150 Milliarden australische Dollar (gut 100 Millionen Euro) hätten jetzt wieder eine Realisierungschance, sagte Robb.

Die Wirtschaft frohlockt. "Das Wahlergebnis zeigt überwältigende Unterstützung für eine Politik, die Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität fördert und die wesentliche Rolle der Unternehmen für die Wirtschaft anerkennt", meinte Tony Shepherd, Präsident des Unternehmerverbandes BCA. Als weltgrößter Kohle-Exporteur ist Australien pro Kopf gemessen zwar einer der schlimmen Klimasünder der Welt, doch hat die Industrie von Abbott wenig zu befürchten.

Nach Jahren als Klimawandel-Skeptiker ("völliger Blödsinn") akzeptiert er die wissenschaftlichen Analysen nun zwar offiziell. Er will Konzerne aber nur mit Anreizen zur Reduzierung klimaschädlicher Emissionen ermuntern. Nichts soll die Fortsetzung des Wirtschaftsbooms nach 22 ununterbrochenen Jahren gefährden. Er könne die Bulldozer nicht abwarten, die allerorts Umgehungsstraßen, Tunnel und Autobahnen ausbauen sollten, sagte Abbott. Die Entwicklungshilfe wird gekürzt, 12 000 Beamtenstellen gestrichen.

Den Wählern ist der Politiker Abbott bis heute nicht ans Herz gewachsen. Zu bärbeißig und aggressiv kam er als Oppositionsführer daher, und er trat immer wieder mit altbackenen Ansichten zur Rolle der Frau ins Fettnäpfchen. Seine Parteistrategen hielten im Wahlkampf mehr als einmal die Luft an, wenn wieder die Pferde mit ihm durchzugehen drohten. Nur einmal verlor er die Contenance. "Hält der Kerl irgendwann auch mal die Klappe?" schnauzte er bei einer Debatte, als Regierungschef Kevin Rudd das Mikrofon hatte.

Ansonsten übte er schon recht erfolgreich die staatsmännische Zurückhaltung. Dass er noch Schliff braucht, zeigt seine Syrien-Analyse: "Das ist kein Fall von gut gegen böse, sondern böse gegen böse." Nächstes Jahr tritt Abbott auf der Weltbühne ins Rampenlicht: Australien übernimmt die Präsidentschaft der G20 und richtet den Gipfel mit Staats- und Regierungschefs aus aller Welt aus.