Selbst die Speisenfolge im Adenauer-Haus war feinsinnig gewählt: In Anspielung auf die einstige rot-grüne Koalition gab es grünen Wirsingkohl und erlegtes Rotwild. Danach betonten die Generalsekretäre Ronald Pofalla (CDU) und Dirk Niebel (FDP), dass es ein "netter Abend" gewesen sei, ein angenehmes Strategiegespräch in guter Atmosphäre.
Es wird nicht das letzte hochrangige Treffen der Bürgerlich-Konservativen bleiben. Da die 20 Teilnehmer jede Menge Gemeinsamkeiten in der Wirtschafts-, Finanz- und Familienpolitik entdeckt haben, findet im Winter die nächste Zusammenkunft statt. Dann aber in der FDP-Zentrale.
"Als Gastgeber werden wir uns dann bemühen, bei der gewählten Speisenfolge gleichzuziehen", witzelte FDP-General Niebel gegenüber der RUNDSCHAU. Spaß muss sein. Zwei Jahre vor der nächsten Bundestagswahl gehen aber die ernsten Flirts der Parteien weiter. Und inzwischen schwelgt nicht nur das schwarz-gelbe Lager in Koalitionserinnerungen, auch Rot-Grün hat die Wehmut gepackt. Heute Abend treffen sich "Netzwerker" genannte junge Abgeordnete von SPD und "U 40" betitelte Grüne zum Plausch rund um eine Berliner Kneipentheke. Welch ein Zufall. Doch als Retourkutsche für den strategischen Mini-Gipfel von Union und FDP will Rot-Grün den gemeinsamen Abend nicht verstanden wissen: "Unser Treffen ist schon lange in den Kalendern", so ein Teilnehmer. Alle paar Wochen komme man zum Meinungsaustausch zusammen, meist setze man sich ein Thema.
Also alles völlig normal im parlamentarischen Geschäft. Trotzdem: Man hat den Eindruck, zur Halbzeit der Großen Koalition wird lieber sondiert als regiert, Union und SPD versuchen krampfhaft, aus Frust ihre alten Lieben neu zu entdecken. Schon mahnt Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU), die Menschen dürften nicht den Eindruck haben, "dass wir nach unseren eigenen Machtperspektiven diskutieren". Ohnehin sind die ja verworren: Wenn heute gewählt würde, hätte eine schwarz- gel be Koalition nach neuester Demoskopie eine knappe Mehrheit. Doch die Umfragen sind alles andere als verlässlich. Wer mit wem in zwei Jahren kann oder muss, lässt sich überhaupt noch nicht vorhersagen.
Gerade die FDP gefällt sich schon jetzt in der Rolle der Braut, in welcher Konstellation auch immer. So wollen FDP-Politiker sicherheitshalber ein Dreier-Bündnis mit Union und Grünen nicht ausschließen. Manch einer bei den Liberalen geht sogar noch weiter und plädiert für eine politische Zwangsehe. Vorstandsmitglied und Europa-Abgeordneter Jorgo Chatzimarkakis macht sich für eine Fusion von FDP und Grünen zur Bundestagswahl 2009 stark, weil das Gros der Basis auf beiden Seiten schon heute "blau-grüne Überzeugungen" habe. In der Parteiführung der Liberalen trifft dieser Vorschlag allerdings auf Hohn und Spott. "Für die Sommerpause zu spät und für den Karneval zu früh", heißt es aus dem Umfeld des Vorsitzenden Guido Westerwelle gegenüber der RUNDSCHAU. Der Vorstoß sei "lächerlich". Auch bei den Grünen stößt die Idee auf Ablehnung: "Das linksliberale Erbe haben wir bereits angetreten, den Rest kann die FDP behalten oder selber abwickeln", lästert der grüne Abgeordnete Alexander Bonde.