Nach dem Wolf und dem Elch kommt jetzt der Biber. Jedenfalls, wenn es nach dem Willen der märkischen FDP geht: In einem Antrag, der in der kommenden Woche in erster Lesung vom Landtagsplenum behandelt werden soll, sprechen sich die Liberalen für die Einführung eines professionellen Bibermanagements aus. "Wir erleben seit einigen Jahren bei einer ganzen Reihe einst vom Aussterben bedrohter Arten, dass der Naturschutz an seinen eigenen Erfolgen zu scheitern droht", sagt der Landesvorsitzende und umweltpolitische Sprecher der Brandenburger FDP, Gregor Beyer, der RUNDSCHAU.

In den 1930er-Jahren sei der Biber in Brandenburg ausgerottet gewesen, nur an der Elbe habe sich eine Restpopulation gehalten. Heute dagegen bevölkern die kleinen Burgenbauer wieder fast das ganze Land. "An Bahndämmen und in Teichwirtschaften gibt es Probleme", sagt Beyer. "Wir müssen in den Bestand der Biber eingreifen."

Doch selbst, wo die Unteren Naturschutzbehörden der Landkreise die Bejagung von Bibern genehmigen, stellt sich Potsdam häufig quer. "Wir brauchen einen Masterplan", sagt Beyer. "Wo Biber wirklich Probleme machen, müssen sie bejagt werden, und wo Schäden entstehen, muss es Entschädigungen geben." Unterstützung erhält Beyer vom Brandenburger Fischereiverband. Dessen Geschäftsführer Lars Dettmann weist auf die Schäden hin, die Biber in Teichwirtschaften verursachen. So hätten Biber erst Ende Dezember einen Damm an den Krayner Teichen zerstört und dabei großen Schaden angerichtet. "Teichwirtschaften liegen immer an Flüsschen oder Gräben", sagt Dettmann der RUNDSCHAU. Und genau das seien die Gegenden, in denen sich auch junge Biber niederließen, die im Revier der Alttiere nicht bleiben könnten.

"Bayern hat deswegen schon Richtlinien zum Umgang mit dem Biber erlassen, die beispielgebend sind", sagt Dettmann. Dort werde die Prävention gefördert, etwa durch den Bau entsprechend verstärkter Teiche. Aber im Bereich von Wasserkraftwerken oder Teichwirtschaften könnten Biber auch bejagt werden. Eine Entschädigung werde dagegen nur beim ersten Schadensfall gezahlt, um andauernde Zahlungen des Landes zu verhindern. "Danach greift entweder die Prävention oder die Jagd", so Dettmann.

Etwas anders sieht das Anja Kayser, Biberexpertin beim Naturschutzbund (NABU). "Wir haben in Brandenburg und Sachsen-Anhalt besonders viele Biber", findet auch die Naturschützerin. "Aber wo es Probleme mit den Tieren gibt, spiegelt das immer die Probleme wider, die zuvor wir Menschen in die Natur gebracht haben", so Kayser. "Wenn es keine Gewässerrandstreifen mehr gibt, geht der Biber zum Fressen eben auf den Acker oder in den Wald, der neben dem Ufer ist." Menschen müssten sich deswegen auf die Anwesenheit der Biber einstellen. Dann würden auch die Probleme mit den Tieren deutlich geringer.

"In Bayern gibt es das Gesamtkonzept - aber auch dort ist der Abschuss der Tiere nur die ultima ratio, das letzte Mittel", stellt Kayser klar. "Und wenn man eine Stelle biberfrei macht, muss man auch dafür sorgen, dass die Tiere nicht wiederkommen."

Ohnehin würde ab einer bestimmten Größe der Biberpopulation im Land auch die Reproduktionsrate sinken: Tiere, die sich ständig mit Konkurrenten auseinandersetzen müssten, befänden sich im Stress. "Wir müssen die Tiere nicht managen, sondern den Problemen vorbeugen." Das Potsdamer Umweltministerium dagegen hält sich beim Thema Bibermanagement auffallend zurück. "Ein Biber-Managementplan ist aus unserer Sicht gegenwärtig nicht nötig, da der Biberbestand kein landesweites Problem darstellt", sagt der stellvertretende Pressesprecher Hans-Joachim Wersin-Sielaff gegenüber der RUNDSCHAU. "Regional gibt es Vollzugshinweise vom Ministerium an die Unteren Naturschutzbehörden zum Umgang mit dem Biber." Das reiche völlig aus. Weswegen sich die Burgenbauer mit dem Ruderschwanz wohl zum Ärger der Teichwirte und zur Freude der Spaziergänger weiter ungehindert an Brandenburgs Gewässern tummeln können.