A ls der internationale Druck auf sein Regime wuchs, drohte der syrische Präsident Baschar al-Assad mit einem Flächenbrand in der Region. Seine Gegner und auch einige unabhängige Beobachter glauben, dass er schon angefangen hat zu zündeln - im Libanon und in der Türkei. Die Lage in Syrien selbst wird wegen der massiven Gewaltanwendung des Regimes derweil immer finsterer und unübersichtlicher. Deserteure attackieren Geheimdienst-Einheiten und Stoßtrupps der Armee. In der Revolutionshochburg Homs werden Stadtviertel von den Regierungstruppen bombardiert und Zivilisten von Milizionären verschleppt. Am 28. November fliegen vier Raketen vom Süden des Libanon aus nach Israel. Elf Tage später werden in der gleichen Region fünf französische Angehörige der UN-Schutztruppe Unifil bei einem Bombenanschlag verletzt. Wieder zwei Tage später fliegt noch eine Rakete gen Israel, landet aber auf libanesischem Gebiet. Er habe "keinen Zweifel", dass Syrien hinter dem Anschlag auf die Soldaten stecke, erklärt nun Frankreichs Außenminister Alain Juppé.

Und obwohl prompt ein Dementi aus Damaskus kam, ist Juppé nicht der einzige, der überzeugt ist, dass die jüngsten Vorfälle im Süden des Libanon von Syrien aus entweder direkt oder indirekt angeordnet wurden. Denn im Südlibanon geschieht kaum etwas ohne den Segen der schiitischen Hisbollah-Bewegung, deren Miliz vom Iran - zum Teil via Syrien - mit Waffen beliefert wird.

Auch etliche Libanesen geben den Syrern die Schuld. "Noch eine syrische Botschaft von Baschar", schreibt der momentan in Saudi-Arabien residierende ehemalige libanesische Ministerpräsident Saad Hariri nach der Attacke auf die Franzosen via Twitter. Chalid Chodscha, ein in der Türkei lebendes Mitglied des Nationalrates der syrischen Opposition, glaubt sogar, dass Assads Regime auch bei den jüngsten Attacken der militanten kurdischen Arbeiterpartei PKK in der Türkei indirekt seine Finger mit im Spiel hatte. Eine kurzfristige Lösung für den blutigen Konflikt in seiner Heimat sieht er nicht. Im UN-Sicherheitsrat bewege sich auch nichts, da Russland und China nach wie vor gegen eine Resolution seien, die den Schutz der Zivilisten fordert.

Noch ein weiterer Vergleich mit Libyen liegt nahe. Wie kürzlich in dem Wüstenstaat steht auch diesmal wieder Frankreich diplomatisch an vorderster Front. Von den Franzosen stammt die Idee, in Syrien einen "humanitären Korridor" einzurichten. Dafür könnte dann eine begrenzte Flugverbotszone notwendig werden. Doch wird es wieder einen französischen militärischen Alleingang geben wie im vergangenen März, als die französische Luftwaffe - noch bevor sich die Nato zu einem Eingreifen entschlossen hatte - am Stadtrand der libyschen Rebellenhochburg Bengasi die einrollenden Panzer Gaddafis stoppte?

Das "syrische Bengasi" wäre dann wahrscheinlich die Stadt Homs, in der es in den vergangenen Tagen besonders viele Opfer gab und in der nach Angaben von Aktivisten möglicherweise eine Militäroffensive droht. Doch was wäre für den Westen in Syrien zu gewinnen, einem Land, das wirtschaftlich wenig zu bieten hat? Nach Einschätzung arabischer Kommentatoren geht es den Europäern nicht nur um Menschenrechte, sondern auch darum, den Iran zu schwächen, dessen wichtigster Verbündeter in der Region Syrien ist.

Was westliche Regierungen jedoch bedenklich stimmt, ist der islamische Unterton der syrischen Revolution. Die Muslimbrüder gehören zu den stärksten Bewegungen der Opposition. Auf einer Anti-Assad-Kundgebung in Istanbul schwenkten einige Demonstranten am Sonntag die Fahne des islamischen Königreichs Saudi-Arabien .