Nach Rücktrittsforderungen aus der Union hat Thierse sich ausdrücklich dafür entschuldigt, den Eindruck erweckt zu haben, er erhebe gegen Altkanzler Helmut Kohl (CDU) Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Tod von dessen Ehefrau Hannelore. Er beharrte im ZDF aber darauf, in der "Leipziger Volkszeitung" weder Kritik an Kohl geübt noch ihm einen Vorwurf gemacht zu haben. Im Zusammenhang mit dem Rücktritt von Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) wegen der schweren Erkrankung seiner Frau hatte die Zeitung Thierse mit den Worten zitiert: "Seine Frau im Dunkeln in Ludwigshafen sitzen zu lassen, wie es Helmut Kohl gemacht hat, ist kein Ideal." Hannelore Kohl, die unter einer schweren Lichtallergie litt, hatte sich 2001 das Leben genommen. Thierse sprach von einer "arg verkürzten und nicht autorisierten Fassung" eines Gesprächs. Darin habe er im Hinblick auf den Rückzug Münteferings zu beschreiben versucht, dass es im Verhältnis von Politik und Familie "gerade auch in einer extremen Situation keine ideale Lösung gibt, die nicht auf öffentliche, skeptische oder gar hämische Kommentierung stößt". Nach Angaben der Zeitung wurde das Zitat keinesfalls "falsch" wiedergegeben.
Das Gesamtinterview mit Thierse sei "in gestraffter Form" veröffentlicht worden. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla warf diesem vor, "in unerträglicher Weise" Münteferings Entscheidung mit dem qualvollen Leiden von Hannelore Kohl vermischt zu haben.
Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) sagte: "Sich in private Angelegenheiten in verletzender Form einzumischen, ohne die Fakten zu kennen, ist menschlich unanständig." Dies sei "ein Tiefpunkt im Umgang" unter Kollegen. Unions-Fraktions-Vize Wolfgang Bosbach (CDU) und der CDU-Mittelstandspolitiker Michael Fuchs hatten von Thierse eine klare Entschuldigung oder seinen Rücktritt gefordert. Die FDP will den Vorgang im Ältestenrat des Bundestags zur Sprache bringen. (dpa/roe)