| 02:38 Uhr

Wirbel um Preise für Medikamente

Luxemburg/Cottbus. Könnten verschreibungspflichtige Arzneimittel für deutsche Patienten bald billiger werden? Eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) lässt das vermuten. Apothekenverbände fordern ein Eingreifen des Bundes. Simone Wendler / mit dpa

Unterschiedlicher könnten die Reaktionen nicht sein. Der Bundesverband der Verbraucherzentrale und die Deutsche Stiftung Patientenschutz sehen die Entscheidung des EuGH als Chance für günstigere Arzneimittelpreise. Die Apothekenverbände befürchten dagegen eine Gefahr für die flächendeckende, sichere Versorgung der Patienten.

Der EuGH hatte am Mittwoch entschieden, dass die in Deutschland gesetzliche Preisbindung für rezeptpflichtige Medikamente nicht mehr für Versandapotheken mit Sitz in anderen EU-Ländern gilt. Der holländische Internethändler DocMorris reagierte darauf mit einem Rabattangebot von zwei Euro pro Packung.

Die Bundesvereinigung der Apothekerverbände sprach dagegen von einem unerlaubten Eingriff des EuGH in nationale Kompetenzen. Thomas Baumgart, Sprecher des Brandenburger Apothekerverbandes, sprach sogar von einer "Katastrophe mit unabsehbaren Folgen".

Durch die Befreiung der ausländischen Anbieter von Festpreisen, die aber für deutsche Apotheker weiter gelten, werde ein Ungleichgewicht erzeugt. Die Politik, so Baumgart, müsse eingreifen und darüber nachdenken, den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten wieder zu verbieten. Ohne Preisbindung könnten gerade Apotheken in ländlichen Regionen unter wirtschaftlichen Druck geraten. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) wollte die EuGH-Entscheidung am Mittwoch noch nicht kommentieren. Themen des Tages Seite 3