ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:05 Uhr

Faktencheck
Wirbel um angeblich rechtsextreme Geste bei „hart aber fair“

 Die jüngste Ausgabe der ARD-Talkshow „hart aber fair“ mit Moderator Frank Plasberg sorgt weiter für Wirbel. Foto: Horst Galuschka
Die jüngste Ausgabe der ARD-Talkshow „hart aber fair“ mit Moderator Frank Plasberg sorgt weiter für Wirbel. Foto: Horst Galuschka
Berlin. Erst hat ein Auftritt des AfD-Politikers Uwe Junge in der Talkshow „hart aber fair“ für Wirbel gesorgt. Jetzt gab es auch noch Aufregung um die Geste eines jungen Mannes im Publikum. Von Jan Ludwig und Sebastian Fischer, dpa

Er hatte in der ARD-Sendung das Okay-Zeichen gezeigt, das auch andere Bedeutungen haben kann - unter anderem eine rassistische. Gerade bei einer Sendung über die Gefahren von Rechtsextremismus wie der am Montag ließ das viele aufschrecken.

THESE: In sozialen Netzwerken wurde dem Zuschauer unterstellt, eine rechtsextreme Geste in die Kamera gezeigt zu haben.

BEWERTUNG: Der Mann macht das vieldeutige Okay-Zeichen. Auf Nachfrage des WDR gibt er an, das jedoch nicht aus einer rechtsextremen Motivation heraus getan zu haben. Es sei ein harmloses Spiel gewesen.

FAKTEN: In der „hart aber fair“-Sendung vom 1. Juli machte der junge Mann im Publikum zwei Mal auffällig mit der rechten Hand die Geste des Okay-Zeichens. Dabei berühren sich die Spitzen von Daumen und Zeigefinger, die restlichen drei Finger sind abgespreizt. In rechtsextremen Kreisen gilt die Handbewegung als rassistisches Erkennungszeichen.

Der WDR teilte auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur mit: Der Zuschauer habe dem Sender gegenüber „glaubhaft“ erklärt, dass ihm das Zeichen nicht in einem rassistischen Kontext bekannt sei. „Er war entsetzt darüber, in diesen Zusammenhang gebracht zu werden“, hieß es vom WDR.

Nach Angaben der Anti-Rassismus-Organisation Anti-Defamation League (ADL) in den USA steht das Okay-Zeichen, das sonst meist bei Zustimmung gezeigt wird, in der rechtsextremen Szene für die Buchstaben „w“ und „p“ - also „white power“. Gemeint ist die rassistische Idee, dass Menschen weißer Hautfarbe anderen überlegen seien.

So hatte unter anderem der rassistische Attentäter von Christchurch nach seinem Terroranschlag auf zwei Moscheen mit mehr als 50 Toten in Neuseeland das Zeichen gemacht. Die Geste war von Kameras eingefangen worden, als er erstmals in Handschellen und weißer Häftlingskleidung vor Gericht geführt wurde.

In Europa sei das Zeichen noch nicht so weit verbreitet, sagte der Rechtsextremismus-Experte David Begrich der dpa. Michael Weiss, Experte für rechtsextreme Codes und Symbole, erklärte, dass die Geste seit Christchurch aber auch in der deutschen Szene relevanter geworden sei.

Twitter-Nutzer warfen dem Mann im TV-Publikum deswegen vor, eine rechtsextreme Gesinnung zur Schau zu stellen. Als weiteres Indiz galt ihnen, dass die Handbewegung gerade in einer Sendung gezeigt wurde, die sich um rechtsextreme Gewalt nach der Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) drehte.

WDR-Angaben zufolge hat der Zuschauer eingeräumt, das Zeichen bewusst gemacht zu haben, „allerdings in einem völlig anderen Kontext“. Es sei das sogenannte Kreis- oder Brunnenspiel gewesen, das er häufig mit einem Freund spiele. Wenn jemand diese Handbewegung macht und ein anderer hineinschaut, bekommt dieser eine Nackenschelle.

Nachdem bekannt wurde, dass der Mann im WDR-Publikum nach eigenen Angaben keine rechtsextreme Agenda verfolgte, rückten einige Nutzer im Netz von ihren anfänglichen Vorwürfen wieder ab.

Video der Sendung in der ARD-Mediathek

Anti-Defamation League über Okay-Geste

BBC über Christchurch-Attentäter

Projekt „Das Versteckspiel“ mit rechtsextremen Codes

Tweet über Publikumsgast I

Tweet über Publikumsgast II

Tweet über Publikumsgast III

Tweet vom Zentrum für politische Schönheit