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Wirbel nach Schröders Absage

Currywurst in Hannover statt Pizza an der Adria: Gerhard Schröder, hier mit Frau Doris, hat mit seiner Italien-Absage großen Wirbel ausgelöst.
Currywurst in Hannover statt Pizza an der Adria: Gerhard Schröder, hier mit Frau Doris, hat mit seiner Italien-Absage großen Wirbel ausgelöst. FOTO: Foto: dpa
Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Das Echo auf die Urlaubs-Absage des Bundeskanzlers, der statt an der italienischen Adria nun im heimischen Hannover Ferien machen will, war allerdings geteilt. Von Bernard Bernarding

Während Gerhard Schröder von SPD-Genossen Zustimmung erhielt, nutzte die Opposition die Gunst der Stunde zur Kritik. Der Kanzler habe einen "Sturm im Wasserglas" entfacht, um von den Problemen in Deutschland abzulenken, stichelte CSU-Landesgruppenchef Michael Glos, der in seinem Urlaub durch Unterfranken wandern will.
Auch FDP-Chef Guido Westerwelle versuchte die Aufmerksamkeit von der Urlaubsaffäre auf seine Belange zu lenken. "Ich bin bereit", ließ der Liberale erklären, anstatt des Kanzlers in das Land zu reisen, "in dem die Zitronen blühen". Der Spaßvogel bekundete nicht nur seine "Solidarität mit den deutschen Urlaubern", sondern auch seine Qualifikation als Tourist: "Schließlich bin ich blond."
Ernster nahm das deutsch-italienische Scharmützel der SPD-Generalsekretär. Olaf Scholz übte echte Solidarität mit dem Kanzler und erklärte gestern ebenfalls seinen Verzicht auf den geplanten Italien-Urlaub. Stattdessen, so eine Sprecherin der SPD, wolle Scholz nun Ferien im freundlichen Frankreich machen. Unterstützung erhielt der Kanzler auch vom stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Gernot Erler, der die Urlaubsabsage aufgrund der "Provokation" des römischen Staatssekretärs Stefano Stefani für gerechtfertigt hält. Gleichwohl sei das Thema noch nicht erledigt, sagte Erler im NDR: Die EU-Ratspräsidentschaft (die derzeit Italien innehat) sei ernsthaft belastet, wenn Ministerpräsident Silvio Berlusconi die Äußerungen Stefanis nicht aus der Welt schaffe.
Ob es dazu kommt, ist fraglich. Berlusconi bläst derzeit auch innenpolitisch der Wind ins Gesicht. Seine Koalition steckt mal wieder in der Krise, und weil er auf die rechtsgerichtete Lega Nord angewiesen ist, kann er Staatssekretär Stefani nicht gegen deren Willen entlassen. Gleichwohl haben nach Berichten aus Italien nicht nur zahlreiche Hoteliers an der Adria, sondern auch die Oppositionsparteien in Rom den Rücktritt Stefanis verlangt. Die Zeitung "La Repubblica" warnte, die Absage des Kanzlers könnte womöglich wirtschaftliche Konsequenzen nach sich ziehen. Adria-Gouverneur Vito d´Ambrosio nannte Stefanis Äußerungen gar eine "Naturkatastrophe".
Witzig wie Westerwelle reagierte in Deutschland die rheinland-pfälzische CDU-Abgeordnete Julia Klöckner. Da sie sich "als blonde Deutsche" von den Äußerungen Stefanis angesprochen fühlte, hat sie "Signore Stefani" einen Brief geschrieben - und ihn nach Deutschland eingeladen, damit er sich ein Bild vom kultivierten Umgang beider Völker mache. Nüchtern stellte die ehemalige Weinkönigin fest: "Michael Schumacher hat den lahmen Ferrari wieder flott gemacht. Da hab ich mir gedacht, dass wir auch im politischen Dialog wieder die Kurve kriegen."
Überhaupt scheint der Urlaubskonflikt die Phantasie der Rheinland-Pfälzer zu beflügeln: Ministerpäsident Kurt Beck lud den Parteifreund Schröder gestern nach Rom ein, weil man sich "in diesem idyllischen Fleckchen gut erholen kann". Becks Rom liegt allerdings nicht in Italien - sondern in der Eifel.