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"Wir stehen ganz am Anfang der Debatte"

Kulturministerin Sabine Kunst hat für brandenburgische Kultureinrichtungen neue Fusionspläne im Kopf.
Kulturministerin Sabine Kunst hat für brandenburgische Kultureinrichtungen neue Fusionspläne im Kopf. FOTO: dpa
Neue Strukturpläne sorgen für Wirbel in der Lausitzer Kulturlandschaft. Die RUNDSCHAU sprach darüber mit Sabine Kunst (SPD), Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg.

Frau Kunst, das Kulturministerium prüft die Bildung einer Stiftung für die Uckermärkischen Bühnen Schwedt, das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt (Oder), das Staatstheater Cottbus und die Neue Bühne Senftenberg, bestätigte unlängst Staatssekretär Gorholt gegenüber der RUNDSCHAU. Wie soll das konkret aussehen?
Unser zentrales Interesse ist, die vielfältige und lebendige Kulturlandschaft im Land Brandenburg auch in Zukunft zu erhalten. Dafür brauchen wir - vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung, der anstehenden Kreisgebietsreform und absehbar begrenzter öffentlicher Mittel in den kommenden Jahren - tragfähige und zukunftsfeste Strukturen. Ein Stiftungsmodell ist eine mögliche Variante. Mit der Brandenburgischen Kulturstiftung Cottbus haben wir schon eine gut funktionierende Einrichtung, die die Angebote vor Ort sichert. Aber es sind auch andere Lösungen denkbar.

Warum wissen die betroffenen Theater in Cottbus und Senftenberg nichts davon?
Die Diskussionen um den besten Weg zur Sicherung und Weiterentwicklung der Kulturangebote, insbesondere der großen Theater, Orchester und Museen hat ja gerade erst begonnen. Bereits 2012 hat sich die Landesregierung mit der kulturpolitischen Strategie zum Ziel gesetzt, über strukturelle Veränderungen neue kulturpolitische Impulse für das Land Brandenburg zu setzen. Wichtig ist mir dabei, dass wir einen Weg finden, den alle Akteure am Ende mittragen können. Unser Ziel ist und bleibt, was im aktuellen Koalitionsvertrag steht: dass die vielfältige Theater- und Orchesterstruktur mittelfristig strukturell und organisatorisch besser abgesichert wird.

Warum war das eher im Ausschuss als bei den Theaterleuten, die das auszubaden haben?
Der zuständige Kultur-Ausschuss des Landtages hat das Thema auf die Tagesordnung genommen. Ich habe auch dort deutlich gemacht, dass wir erst am Anfang der Debatte stehen und einen Schritt nach dem anderen gehen werden - und natürlich auch alle Betroffenen beteiligen werden.

Wann und wie haben Sie vor, die Betroffenen einzubeziehen?
Wir gehen einen Schritt nach dem anderen. Derzeit sind wir dabei, eine tragfähige Struktur für das neue dezentrale Landesmuseum für Moderne Kunst in Cottbus und Frankfurt (Oder) gemeinsam mit allen Akteuren zu entwickeln. Das hat für mich Modellcharakter. Als Nächstes werden wir darüber reden, wie die vielfältige Theater- und Orchesterstruktur am besten erhalten und weiterentwickelt werden kann. Es ist für die kreisfreien Städte schon heute teilweise schwierig, ihre Kultureinrichtungen abzusichern - das wird in größeren Strukturen nach einer Kreisgebietsreform nicht leichter. Wir brauchen künftig eine solidarische Kulturfinanzierung aller und Strukturen, in denen die Angebote besser aufeinander abgestimmt werden.

Unter welchen Bedingungen gehen Cottbus und Senftenberg zusammen?
Noch mal: Wir stehen ganz am Anfang der Debatte. Ob sich die Cottbuser und Senftenberger Theater am Ende tatsächlich in einer gemeinsamen Stiftung oder in einer anderen Trägerkonstruktion wiederfinden, ist völlig offen. Klar ist, dass wir mit Senftenberg und Schwedt über zwei Theater verfügen, die ein spezifisches Profil haben, das hoch anerkannt und wichtig ist. Beide haben durch ihre regionale Lage eine sehr wichtige Funktion für die Versorgung in der Fläche des Landes.

Was haben die Beteiligten von Ihren Plänen - und die Theaterbesucher?
Das Ziel ist, die vielfältige Kulturlandschaft in den Regionen zu erhalten und den Brandenburgerinnen und Brandenburgern auch künftig den Zugang zu den attraktiven und anspruchsvollen kulturellen Angeboten fernab von Berlin zu ermöglichen.

Nach unseren Informationen soll es auch Überlegungen geben, dass es neben der Theater-und Orchesterstiftung ab dem Jahre 2017 eine Museumsstiftung geben wird.
Ich möchte mich da auf keine Zahl festlegen. Wie bereits vorhin erwähnt, werden wir zunächst gemeinsam mit allen Akteuren eine tragfähige Struktur für das neue Landesmuseum für Moderne Kunst entwickeln. Dabei werden wir auch Stiftungsmodelle prüfen.

In dem Zusammenhang: Wie beurteilen Sie den Sparkurs auf diesem Gebiet in Rostock und Sachsen-Anhalt?
Ich kann und werde die kulturpolitischen Entscheidungen in anderen Bundesländern nicht kommentieren. Die brandenburgische Landesregierung hat bereits deutlich gemacht, dass sie im Kulturbereich nicht kürzen will. Es bleibt aber die Herausforderung, die kulturellen Angebote vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung zu sichern und zu entwickeln. Das wird nur im Konsens innerhalb der Landesregierung und mit unseren kommunalen Partnern gehen.

Ein Landesmuseum für Moderne Kunst soll die DDR-Sammlungen von Cottbus und Frankfurt zusammenführen. Die Rede ist von der größten DDR-Kunstsammlung weltweit. Ist das nicht etwas hochgegriffen?
Diese Feststellung stammt nicht von mir. Das Land Brandenburg verfügt allerdings mit dem Museum Junge Kunst in Frankfurt und dem Kunstmuseum Dieselkraftwerk in Cottbus über zwei exponierte und spezifisch der Bildenden Kunst gewidmete Museen mit einem exzellenten Sammlungsbestand zur ostdeutschen Kunst. Mit der Fusion beider Einrichtungen zu einem dezentralen Landesmuseum besteht die Chance, einen Gesamtbestand zu etablieren, der bundesweit eine der wichtigsten und umfangreichsten Sammlungen der ostdeutschen Kunst darstellen würde.

Auch das Potsdam-Museum empfahl sich gerade mit der größten DDR-Kunstschau nach der Wende. Dazu könnte das Plattner-Museum kommen. Wie geht das zusammen mit der Vision in Cottbus und Frankfurt?
Es geht hier nicht um Quantität - es geht darum, dass beide Museen in Cottbus und Frankfurt (Oder) gemeinsam mehr erreichen können, als wenn sie weiter alleine bestehen müssen. Die Idee dazu ist übrigens aus den Kultureinrichtungen heraus, in Zusammenarbeit mit den kommunalen Akteuren, entstanden und wir haben sie gerne aufgegriffen.

Welche Sparpotenziale sehen Sie dabei, außer dass es dann nur noch eine Museumschefin geben wird?
Es geht nicht darum, um jeden Preis Einsparpotenziale zu entwickeln. Es geht darum, die Einrichtungen so aufzustellen, dass sie ihr Profil schärfen und auch in den kommenden Jahren attraktive Angebote entwickeln können.

Wann könnte die Idee Wirklichkeit werden?
Bis Ende des Jahres wollen wir gemeinsam mit den Museen und deren Trägern ein Konzept zur künftigen Struktur des Landesmuseums Moderne Kunst entwickeln.

Leser vermuteten in ersten Reaktionen, dass Ihr Ministerium wie schon in der Vergangenheit "ergebnisoffene" Ideen präsentiert, die längst besiegelt sind. Wird es eine offene und öffentliche Diskussion zu diesen Themen geben?
Es ist überhaupt nichts besiegelt. Wir stehen am Anfang eines Prozesses und werden selbstverständlich alle Akteure einbeziehen. Nur eine von den Beteiligten mitgetragene Lösung ist eine nachhaltige Lösung.

Mit Sabine Kunst

sprach Ida Kretzschmar