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| 02:38 Uhr

"Wir sind es, die die Energiewende absichern"

Plakatschreck im Morgengrauen im Tagebau.
Plakatschreck im Morgengrauen im Tagebau. FOTO: PR/Ende Gelände
Cottbus/Jänschwalde. Die Frage nach der Zukunft der Kohle beherrscht die Debatte in der Lausitz, aber auch bei den Verhandlungen für ein Welt-Klima-Abkommen in Paris. Das zeigte sich am Montag erneut in verschiedenen Aktionen. si/bob dpa/uf

55 Milliarden Kilowattstunden Strom wird Vattenfall in diesem Jahr aus der Lausitzer Braunkohle gewinnen. Die geförderte Braunkohlemenge wird sich auf knapp 63 Millionen Tonnen belaufen. Das kündigte der Vorstandsvorsitzende Hartmuth Zeiß am Abend bei der Barbarafeier in der Cottbuser Stadthalle an. Dabei schoss er sich auf die Bundespolitik ein, "an deren Spitze drei ehemalige Umweltminister ihre großen Auftritte suchen". Es sei schon beachtlich, "wie schnell ein breiter Zielkatalog auf ein einziges Ziel, den Klimaschutz, zusammenschrumpfen kann". Dabei seien es die großen Stromanbieter, die für die nötige Verlässlichkeit am Strommarkt sorgen. "Wir sind es, die die Energiewende absichern - Braunkohle und Steinkohle", so Zeiß.

Gleichzeitig äußerte er sich aber auch zu den Steuerrückforderungen, die derzeit zahlreiche Lausitzer Kommunen belasten. "Uns ist klar, welch Kopfzerbrechen diese Rückforderung in den Kommunalparlamenten auslöst", so Zeiß. Gern würde man weiter in der Lausitz Steuern bezahlen. "Doch dazu brauchen wir ein einträgliches Geschäft. Und wir brauchen dazu eine energiepolitische Berechenbarkeit, die geschaffene Werte schätzt und nicht vernichtet."

Aufregung ganz anderer Art verursachten am frühen Montagmorgen Aktivisten der Gruppe "Ende Gelände!". Sie besetzten Anlagen in den Tagebauen Jänschwalde und Welzow Süd. Wie Vattenfall auf Nachfrage bestätigte, wurde unter anderem die Förderbrücke in Welzow-Süd dadurch gestoppt. Erst gegen 13.40 Uhr konnte die Polizei die Aktion beenden. Die Besetzer zogen friedlich ab. Vattenfall hat Anzeige erstattet wegen Hausfriedensbruchs und Störung des Betriebsablaufs.

Für Pfingsten 2016 kündigte das Bündnis eine "Massenaktion zivilen Ungehorsams in der Lausitz" an.

Zum Thema:
Trotz Wirtschaftswachstum könnte die Menschheit in diesem Jahr etwas weniger Kohlendioxid (CO) aus fossilen Brennstoffen in die Atmosphäre pusten. Wissenschaftler des "Global Carbon Project" erwarten weltweit einen Rückgang um etwa 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 35,7 Milliarden Tonnen CO. Es sei aber unwahrscheinlich, dass die Emissionen des klimaschädlichen Treibhausgases schon den Scheitelpunkt überschritten hätten, sagte Corinne Le Quéré von der Universität East Anglia am Rande der Pariser UN-Klimakonferenz. Die Studie wurde in "Nature Climate Change" veröffentlicht. dpa/uf