Doch in den Augen vieler Israelis handelt es sich um einen Pyrrhussieg, der sie mit einem flauen Gefühl zurücklässt. "Noch so ein Sieg und ich bin verloren", soll der König und Heerführer Pyrrhus nach seinen Schlachten gegen die Römer erklärt haben.
"Aus strategischer Perspektive müssen wir zugeben, dass die Hisbollah in dem Krieg nicht besiegt wurde", zitierte die israelische Zeitung "Jediot Achronot" einen ranghohen Vertreter der Sicherheitsbehörden, der nicht namentlich genannt wird. "Das ist der Schwachpunkt. Die nächste Runde zwischen uns und Iran, der hinter der Hisbollah steckt, ist unvermeidbar. Ich hoffe nur, dass wir das nächste Mal besser auf diese schwierigen Herausforderungen vorbereitet sind."
Am Wochenende nutzte die israelische Armee ihre offenbar letzte Chance für einen schnellen Vormarsch im Süden Libanons. In einem Rennen gegen den von diplomatischen Entwicklungen vorgegebenen Zeitplan rückten zehntausende Soldaten mit großen Panzerverbänden bis zu dem Fluss Litani vor. Mindestens 24 Soldaten und mehr als 60 Hisbollah-Kämpfer wurden dabei nach israelischen Angaben getötet. Die Miliz schoss einen israelischen Hubschrauber ab. Der bisher verlustreichste Tag für die Israelis soll nun zugleich das Ende des Krieges markieren.
Hauptforderungen der israelischen Regierung, wie die sofortige Freilassung zweier Soldaten und eine Entwaffnung der Hisbollah, blieben unerfüllt. Als Erfolg wird in Israel aber die Stationierung einer vergrößerten internationalen Truppe im Grenzgebiet bewertet, die ohne den Krieg nicht wahrscheinlich gewesen wäre.
"Israel geht in diese Waffenruhe mit Schrammen, zerrissen und beunruhigt", kommentiert die Zeitung "Jediot Achronot". Die Waffenruhe sei nur eine Pause bis zum nächsten Zusammenstoß. Die UN-Resolution sehe zwar auf dem Papier gut aus. Aber nur die größten Optimisten glaubten, dass sie buchstabengetreu umgesetzt werde. "Wir haben nicht gewonnen", bilanziert das Blatt.
In Israel wird nun bitterer Streit zwischen Regierung, Opposition und Militärs über die Verantwortung für den Kriegsverlauf erwartet. Politiker aus dem linken und rechten Spektrum warnten noch vor einer Billigung der UN-Resolution durch Israels, dass Land werde die Waffenruhe noch bereuen. Als einer der ersten kündigte der frühere Außenminister Silwan Schalom (Likud) die interne politische Friedenspflicht auf, die mit dem Krieg eingehalten wurde. "Hätten wir gewusst, dass dies das Ergebnis ist, hätten wir dem Krieg nicht zugestimmt", sagte er.