Frau Wagenknecht, die Parteivorsitzende Gabi Zimmer hat ihr Amt zur Verfügung gestellt. Ist die PDS am Ende„
Mit Sicherheit nicht. Für mich ist das Agieren der Vorsitzenden falsch und kontraproduktiv. Ich frage mich, ob einige Leute ein Interesse daran haben, die PDS handlungsunfähig zu machen und ins Chaos zu stürzen. Und das in einer Situation, wo Kanzler Schröder einen sozialen Crash-Kurs fährt und Gegenaktionen der PDS dringend notwendig wären.

Wer trägt die Schuld an der Führungskrise“
Es ist doch offensichtlich so, dass einige Parteimitglieder, die die Ergebnisse des Geraer Parteitages vom Oktober des vergangenen Jahres nie akzeptieren wollten, nur einen Anlass gesucht haben, um die Beschlüsse rückgängig zu machen.

Vielleicht wurden in Gera schlicht die falschen Beschlüsse gefasst. Seit der Festlegung auf einen harten Oppositionskurs ging es mit der PDS jedenfalls stark abwärts.
Das sehe ich ganz anders. Die Umfragen belegen, dass wir in den Bundesländern die meisten Stimmen verlieren, in denen wir an der Regierung sind. In Berlin zum Beispiel sind viele Wähler berechtigt enttäuscht. Insoweit hat Gera genau die richtigen Schlüsse gezogen.

Sie wollen die Zerstrittenheit der PDS auf die lange Bank schieben„
Was heißt Zerstrittenheit der PDS“ Überwiegend sind es die in Gera unterlegenen Genossen, die jetzt zum großen Angriff blasen. Dabei würden wir unsere Glaubwürdigkeit akut gefährden, wenn wir hinter Gera zurückfallen. Es bleibt dabei: Anpassung und Regieren um jeden Preis darf nicht der Weg einer linken Partei sein.

Ex-Parteichef Lothar Bisky hat sich als Zimmer-Nachfolger ins Gespräch gebracht. Könnte er die verfeindeten Flügel wieder zusammenführen?
Mit der Reaktivierung früherer Vorsitzender tut sich die PDS keinen Gefallen. Die Debatte über die Nachfolge fängt ja gerade erst an. In jedem Fall brauchen wir eine Führungsperson, die für Integration steht. Auch das sehe ich nach den aktuellen Äußerungen bei Bisky nicht.

Stefan Vetter sprach mit
SAHRA WAGENKNECHT