Verwüstete Vorgärten und geplünderte Mülltonnen: Wildschweine, Waschbären und Füchse zieht es verstärkt in Brandenburgs Städte. "Wir beobachten dies bereits seit einigen Jahren", sagte Georg Baumann vom Landesjagdverband. In den Städten sei es für Wild zum Teil viel sicherer, weil dort ein Jagdverbot bestehe. Nur mit Ausnahmegenehmigungen und strengen Sicherheitsauflagen kann dort Wild geschossen werden, erklärte Baumann.

"Und Wildschweine zum Beispiel sind sehr schlaue Tiere. Sie haben es schnell spitzbekommen, dass sie sich in der Stadt kaum Kugeln fangen", fügte Tom Kirschey vom Naturschutzbund (Nabu) an. Außerdem finden sie in der Stadt ohne große Anstrengungen reichlich Futter. "Sie müssen nicht mühselig nach Egerlingen graben, sondern können sich problemlos an Komposthaufen oder Mülltonnen bedienen", erklärte der Nabu-Landesvorsitzende. "Da kennen die keine Scheu."

Im Berliner Grunewald zum Beispiel campieren Wildschwein-Bachen mit Frischlingen in unmittelbarer Avus-Nähe, weil Menschen dort kaum hinkommen. "Da ist der Autolärm Nebensache", so Kirschey. Schwerpunkte in Brandenburg sind Falkensee, Kleinmachnow, Stahnsdorf und Potsdam, sagte Ulrich Hardt, amtierender Leiter der Obersten Jagdbehörde.

Einer der Brennpunkte ist der Stahnsdorfer Südwestfriedhof. Dort haben sich auf 206 Hektar mehr als 30 Wildschweine und zahlreiche Rehe eingerichtet. Alle zusammen plündern die Grabstellen, bestätigte Friedhofsverwalter Olaf Ihlefeld. Mit einer ungewöhnlichen Aktion Ende des vergangenen Jahres sollte die Plage eingedämmt werden. Bei einer Treibjagd zwischen den Grabsteinen rückten 15 Schützen und 31 Jagdhelfer den ungebetenen Gästen zu Leibe. 16 Wildschweine und zwölf Rehe wurden erlegt.

Wie in Randbezirken der Hauptstadt graben auch in Potsdam immer wieder Wildschweine Vorgärten um. Die Stadt hat vor Jahren zusammen mit Jägern und der Oberförsterei auf Außenflächen einen Abschussplan aufgestellt. Dies habe dazu geführt, dass weniger Wildtiere ins Stadtgebiet vorgestoßen sind, teilte Stadtsprecher Stefan Schulz mit. Zudem hätten Grundstückseigentümer ihre Areale besser gegen Wildschweine gesichert, so Schulz.

"Maschendrahtzäune sind aber tabu", sagte Udo Appenzeller. Falkensees "Stadtjäger" ist seit zehn Jahren zwischen Vorgärten und Eigenheimen auf der Pirsch. "Draht biegen die Wildschweine einfach auf. Es müssen Jägerzäune sein, die ein paar Zentimeter in den Boden hineinragen."

Appenzeller hat große Erfahrung mit den Borstenviechern im Stadtgebiet. Das mache allein schon die Lage Falkensees. Viele Waldgebiete ragen bis in die Stadt hinein. Echte Übergriffe auf Menschen habe es bisher nicht gegeben. "Ein paar Scheinangriffe waren schon dabei. Vielmehr Ärger machen aber die Schäden", so der Stadtjäger.

In der Vergangenheit hat Appenzeller zusammen mit Kollegen pro Jahr bis zu 40 Wildschweine in Falkensee erlegt. Die Tendenz sei aber rückläufig. Als kommenden Plagegeister hat der Stadtjäger Waschbären ausgemacht.