Neben Kremlchef Wladimir Putin nehmen auch Präsidenten unter anderem aus der Ukraine, Weißrussland und Serbien teil.

Die Feierlichkeiten, die am Mittwoch in Moskau begannen, sind Ausdruck einer Rückkehr des christlichen Glaubens in die Gesellschaften des postsowjetischen Raums. Zwar warnen Teile der Orthodoxie davor, ein politischen Spektakel daraus zu machen.

Aber nicht nur Putin weiß um die Rolle der Kirche, die für die Politik eine wichtige Machtstütze ist. Sie sei der "natürliche Partner" des Staates, die geistig-moralische Instanz in Russland, betont Putin in einem Dokumentarfilm des Staatsfernsehens - in einem Land, in dem immerhin ganze Teilrepubliken islamisch geprägt sind. Der 60-jährige Putin erzählt in dem Kirchenfilm nicht nur von seiner eigenen "heimlichen Taufe" zu Sowjetzeiten. Der Streifen ist nicht zuletzt eine Danksagung an seine Politik, die die Kirche nach Jahrzehnten der Unterdrückung unter den Kommunisten zu neuem Leben erweckt habe.

Das Verhältnis zwischen dem Ex-Geheimdienstchef Putin und dem Patriarchen, dem - ohne Beweise - immer wieder eine KGB-Vergangenheit nachgesagt wird, gilt als eng. Kirill rief 2012 zuletzt offen zur Wahl Putins auf.

Nachdem deshalb Musikerinnen der Punkband Pussy Riot die größte und wichtigste Kirche des Landes, die Erlöserkathedrale, stürmten und Putin und dem Patriarchen eine "unheilige Allianz" vorwarfen, gab es politische Konsequenzen. Ganz im Sinne der Kirche unterschrieb Putin erst unlängst ein Gesetz, das die Verletzung religiöser Gefühle unter Strafe stellt. Eine Reaktion auf die Aktion der zu zwei Jahren Straflager verurteilten Frauen von Pussy Riot.

Die russisch-orthodoxe Kirche feiert sich inzwischen selbst. Und sie feiert ihre wachsende Machtrolle. Bei der Zeremonie am Mittwoch in der Erlöserkathedrale kamen Tausende von Gläubigen. Die Menge staute sich vor dem mächtigen Bau, Lautsprecher übertrugen den Gottesdienst auf die Straße. Nach dem Zerfall der Sowjetunion sieht sich das Moskauer Patriarchat zunehmend in einer Führungsrolle.

D er politische Machtzuwachs der russisch-orthodoxen Kirche kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie außerhalb Russlands an Bedeutung verloren hat. Sie leidet unter dem Verlust ihrer alten Einflusssphären - etwa in der Ukraine. Wenn Putin und Kirill am Samstag die Einführung des Christentums in Kiew feiern, dürfte auch dieser Konflikt einmal mehr offen zutage treten. In Kiew lag 988 das Machtzentrum des mittelalterlichen ostslawischen Großreichs, wo mit der Taufe des Großfürsten Wladimir das Christentum Einzug hielt.

Doch in der Kirche spiegelt sich die Zerrissenheit der Ukraine wider. Während das Moskauer Oberhaupt am Samstag mit Putin feiert, begeht das Kiewer Patriarchat - vom großen Bruder als Spalterkirche gesehen - das Jubiläum erst am Sonnta g.