Auf den zweiten Blick jedoch offenbart sich, dass die Beseitigung der Hochwasserschäden noch geraume Zeit in Anspruch nehmen wird - trotz der Milliardenhilfen. Die nächtliche Ruhe in den einstigen Katastrophengebieten wird noch immer vom Summen der Trockner gestört. Nasses Mauerwerk und nachsickerndes Grundwasser bereiten derzeit große Sorgen. Der Wiederaufbau von Straßen, Brücken und Bahnanlagen wird sich angesichts der verheerenden Fluten noch über Monate hinziehen, eine genaue Prognose wagt kaum jemand. Immerhin beläuft sich der geschätzte Schaden allein in Sachsen auf rund sechs Milliarden Euro. In Sachsen-Anhalt sind es etwa 900 Millionen Euro.
Am optimistischsten zeigt sich noch immer Sachsens Regierungschef Georg Milbradt (CDU). Er meint, dass die wesentlichen Schäden bis Ende dieses Jahres beseitigt sind. Alle betroffenen Kommunen haben seit wenigen Wochen Klarheit, wie viel Geld jetzt für welche Wiederaufbauprojekte aus dem Fluthilfefonds fließen wird. Akribisch waren Schäden erfasst und Pläne zur Beseitigung erarbeitet worden.
Skeptischer hört sich das aus lokaler Sicht an. Ronald Gauert, der Sprecher des schwer betroffenen Landkreises Wittenberg in Sachsen-Anhalt, meint: "Bis alle Schäden beseitigt sind, werden wohl noch Jahre vergehen." In Sachsen-Anhalt flossen bisher 150 Millionen Euro Hilfsgelder, 30 Millionen Euro davon zur Beseitigung von Schäden an Wohngebäuden. 13 Millionen wurden an Betriebe ausgezahlt,
20 Millionen an die Landwirtschaft.
In Sachsen sind bisher rund 490 Millionen Euro an Privathaushalte, Unternehmen, Agrarbetriebe und Freiberufler gezahlt worden. Allein auf Unternehmen entfielen rund 305 Millionen Euro. Das Gros der staatlichen Hilfen wird also erst noch fließen. Gleiches gilt für Spenden, die in Sachsen vor allem staatliche Hilfen zur Beseitigung von Schäden an Wohngebäuden ergänzen sollen.
"Wir lassen uns nicht unterkriegen" oder "Wir tauchen wieder auf" sind noch immer gängige, trotzige, sich selbst Mut machende Sprüche der Betroffenen. Denn das Hochwasser ist weiterhin eines der bewegendsten Themen, das den Alltag in den einstigen Flutgebieten beherrscht. In den vergangenen Monaten sind an vielen Orten ganze Bilderwände mit Fotos von den Tagen vor, während und nach der Flut entstanden. Sie erinnern an das zunächst unfassbare Leid - 21 Menschen starben damals - aber auch an den unermüdlichen Einsatz tausender freiwilliger Helfer und die Energie der Betroffenen selbst.
"Das gehört doch dazu, das Erinnern, auch wenn es manchmal bitter ist", sagt Andreas Frahm von der "Lindenschänke" am Elbufer in Dresden-Übigau. "In Dresden ist ja kaum noch was von der Flut zu sehen", erklärt der Geschäftsführer. "Wir zeigen dann den Leuten, die darüber ganz erstaunt sind, unsere Bilder. "