Hunderttausende Sri Lanker werden lange auf Unterstützung angewiesen sein. Nach der Notversorgung werden sie Hilfe dabei brauchen, ihre Häuser und ihre Existenz neu aufzubauen - und ihr Leben neu zu beginnen. "Einem Hilfsarbeiter kostet ein Sack Zement einen Tageslohn, denen fehlt das Geld dafür", sagt der Schweizer Jürk Spirk, der im Dorf Mirhipenna nahe Galle Strandhütten vermietete, bis die Flut kam. "Die ersten zwei, drei Tage haben wir nicht gewusst, wo wir mit dem Aufräumen anfangen sollen - oder ob wir überhaupt beginnen sollen."

Helfer sind beeindruckt
Noch sind viele Häuser zertrümmert, doch es gibt wieder Strom, die Küstenstraße ist freigeräumt. Überall in Mirhipenna wird gearbeitet.
"Ich bin schwer beeindruckt", sagt Max Berthold, Einsatzleiter des Technischen Hilfswerks (THW) bei Galle. Es sei bemerkenswert, mit welchem Elan die Menschen den Wiederaufbau angingen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es bei uns schneller wäre." Doch selbst wenn die Häuser irgendwann wieder aufgebaut oder repariert sind - die Menschen werden Arbeit brauchen, um über den Schock hinwegzukommen, und ein Einkommen, um überleben zu können. Etliche Boote sind zerstört, die Fischer haben keine Netze mehr. Sie sind verängstigt, die See, die sie gut zu kennen meinten, hat ihnen Tod und Zerstörung gebracht. Wegen der vielen Leichen im Meer, so heißt es an der Küste, wolle man erst mal keinen Fisch essen. Doch immerhin, Zeichen der Hoffnung gibt es. Die ersten Fischer aus Galle sind wieder aufs Meer gefahren und haben ihre Netze ausgeworfen. Eine Gruppe Ausländer hat versprochen, ihnen den Fang abzukaufen.
Neben den Fischern hat es die Tourismusindustrie besonders hart getroffen, die Küste lebte von den Urlaubern. Sumith Shelton betrieb eine Tauchschule in Unawatuna, der Strand galt vor der Katastrophe als einer der schönsten der Welt. Den Wiederaufbau will der Sri Lanker in einem Monat abschließen, wie es dann weitergehen soll, weiß er nicht. "Diese Saison kann man abschreiben." Er hofft, dass im November die ersten Urlauber wiederkommen - auch wenn niemand weiß, wie viele Touristen an den Katastrophenstränden noch tauchen wollen. Sheltons Tauchlehrer räumen die Trümmer der Tauchschule mit auf, noch haben sie zu tun, bald aber werden sie arbeitslos sein. "Wir versuchen, ihnen zu helfen", sagt Shelton, doch er macht sich keine Illusionen: "Ihr Gehalt werden wir nicht das ganze Jahr durch weiterzahlen können. Wir müssen jetzt selber sparen."

Hoffen auf Rückkehr der Urlauber
Auch Muharam Perera will ihr kleines Hotel mit Restaurant schon in einem Monat wieder öffnen, nur das Erdgeschoss ist verwüstet, das Haus steht noch - sie hatte Glück im Unglück, weder Gäste noch Personal kamen ums Leben. "Vielleicht kommen ja erst mal die Ausländer von den Hilfsorganisationen", hofft sie - und irgendwann wieder die Touristen. Über die Frage, was passiert, wenn die Urlauber nicht zurückkehren, will sie nicht nachdenken. "Sie kommen wieder", sagt sie bestimmt.