Die 83 Reisenden mussten allerdings gut anderthalb Stunden auf Hilfe warten: Erst um drei Uhr konnten die Passagiere über Notsteige in einen Ersatzzug klettern, der aus Hof gekommen war. Um 5.30 Uhr trafen die Reisenden in Nürnberg ein - statt planmäßig um 3.30 Uhr. Über die Ursache des Unfalls war zunächst nichts zu erfahren. Experten des Eisenbahnbundesamtes sowie Mitarbeiter vom Hersteller Siemens-Bombardier und der Bahn würden ermitteln, sagte Knauer.
Der Abschnitt der Sachsen-Franken-Magistrale, auf der auch Interregios, Regionalbahnen, Cargo-Züge und die Vogtland-Bahn verkehren, blieb bis zum späten Nachmittag komplett gesperrt. Reisende wurden zwischen Plauen und Hof mit dem Bus chauffiert. Dies dauerte etwa eine halbe Stunde länger als die Bahnfahrt.

Technik vorsorglich ausgeschaltet
Inzwischen ist die Trasse zumindest eingleisig wieder befahrbar. Der Pannenzug sei nach einer Reparatur vor Ort mit Schrittgeschwindigkeit ins etwa 20 Kilometer entfernte Hof gerollt. Wann der reguläre, zweigleisige Pendelbetrieb auf der Strecke wieder anläuft, war laut Knauer gestern noch nicht abzusehen. Es müssten auch beschädigte Gleisanlagen in Ordnung gebracht werden.
Doch nicht nur das. Bis zur Klärung der Ursache wurde vorsorglich auch die Neigetechnik bei allen 20 Triebwagen der betroffenen Baureihe VT 605 ausgeschaltet. Damit können die ICE nicht mehr "bogenschnell" durch die Kurven fahren: also nur mit Tempo 120 statt mit 160 Stundenkilometern.
Der elegante Schnellzug, der sich wie ein Motorrad in die Kurve legen soll, ist ohnehin ein leidgeprüftes Kind der Bahn. Die dieselgetriebenen Wagen, die erst mit dreijähriger Verspätung eingesetzt werden konnten und seit Juni 2001 auf der Strecke entlang des Fichtel- und Erzgebirge pendeln, sorgten mit Pleiten, Pech und Pannen schon oft für verärgerte Kunden und spöttische Schlagzeilen. Denn statt die Fahrzeit von sechs auf viereinhalb Stunden zu verkürzen, brachte die "Wunderwaffe" der Bahn Verspätungen von bis zu zwei Stunden mit sich. Die eigens von Siemens entwickelte Computersoftware, die eigentlich die Neigetechnik steuert, führte zuweilen zum Totalausfall des Bordcomputers. Die Züge blieben einfach auf offener Strecke stehen.

Neuer Ärger durch defekte Elektronik
Seit eine neue Software eingeführt wurde, schienen die Sorgen weitgehend verflogen. Doch ausgefallene Motoren und defekte Elektronik bescherten neuen Ärger. Ob allerdings zwischen dem jüngsten Drehgestellunfall und den alten Pannen ein Zusammenhang besteht, war gestern laut Knauer noch nicht abzusehen.