Am Dienstag wird Barack Obama im Kongress seine alljährliche Rede zur Lage der Nation halten. Normalerweise ein überaus wichtiger Termin in den USA und in diesem Jahr, kurz nach seiner Wiederwahl, sowieso. Es steht eine Menge zur Entscheidung an - allen voran die weitere Finanzierung der Staatsausgaben. Denn wenn die politisch gespaltenen beiden Häuser auf dem Kapitol sich nicht bewegen, treten automatisch gewaltige Kürzungen in Kraft, die insbesondere bei Staatsbediensteten Heulen und Zähneklappern auslösen. Es steht politisch viel auf dem Spiel in den USA.

Aber die Schlagzeilen beherrschen derzeit wieder die Naturgewalten. Im letzten Jahr hat ein Jahrhundertsturm den nächsten gejagt und jetzt gibt es einen Winterorkan der an einigen Orten für Rekordwerte sorgt. Fünfzig oder mehr Zentimeter Schnee innerhalb eines Tages sind tatsächlich eine Herausforderung Sie wären aber per se noch keine Katastrophe, wenn dabei nicht die Stromversorgung für Hunderttausende ausfiele. Das war schon im Sommer bei dem Sturm, der die Hauptstadt Washington erwischte, das größte Problem, das hat beim Hurrikan Sandy unzählige Menschen am meisten getroffen. Bei den strengen Minusgraden jetzt mitten im Winter sind die Folgen für die Betroffenen noch erschreckender.

Nun würde bei uns zuhause ein jeder aufschreien, wenn ihm sein Stromversorger ein- zweimal im Jahr eine tagelange Pause zumuten würde. Extreme Wettersituationen sind schließlich vorhersehbar. Hier, im Herzen der Supermacht aber läuft dies ganz anders. Keiner fragt hier mehr, ob es nicht vielleicht möglich wäre, Stromleitungen so zu verlegen, dass sie nicht ständig vom Winde verweht werden. Ab und zu sagt mal jemand, dass das mit der Infrastruktur ein Problem sei.

In Deutschland denkt ja so mancher, den Amis gehe es gut und hier lebe ein verwöhntes Volk. Was für ein Irrtum! Hier wird die menschliche Natur alltäglich auf ihre Widerstandsfähigkeit getestet! Und die Menschen sind geduldig und ertragen das Chaos mit vorbildlicher Gelassenheit. Wahrscheinlich liegt genau darin der Unterschied zwischen unseren bescheidenen Dimensionen und der Größe einer Weltmacht. Barack Obama wird am Dienstag mit ziemlicher Sicherheit nicht darüber reden, wie man ein sturmresistentes Stromnetz installieren könnte, das den Menschen die Flucht in Notquartiere erspart. Eher schon wird er dafür plädieren, dass auf keinem der zahlreich über die Weltmeere verteilten Flugzeugträger jemals das Licht ausgeht.