Sogar ein paar Tränen soll Silvio Berlusconi vergossen haben. Die Erleichterung bei Italiens früherem Regierungschef war groß, nachdem der Prozess um die peinliche "Ruby"-Affäre für ihn mit einem Freispruch endete. Jahrelang waren mutmaßliche Details über sein Sexleben veröffentlicht geworden, sorgten Berichte über die "Bunga-Bunga-Partys" in seiner Villa weltweit für Hohn und Spott. Ausgerechnet aus dem schmachvollen Verfahren, das am meisten zu seinem Niedergang beigetragen hat, kommt der 78-Jährige auf dem Papier unbeschadet heraus. Doch abgehakt ist die Affäre damit nicht.

So jubelte Berlusconi zwar am Tag nach seinem Freispruch: "Endlich die Wahrheit", erklärte aber auch: "Es bleibt das Bedauern über eine Affäre, die unzählige Schäden hinterlassen hat." Der Verlust seines Ansehens und die jahrelange Demütigung - das erschwert den Neuanfang, den Berlusconi nun anstrebt. Doch es ist längst nicht das einzige Problem, mit dem der Medienzar zu kämpfen hat. Schwindender Einfluss, schlechte Umfragewerte, parteiinterne Machtkämpfe und seine weiteren Prozesse machen das Comeback für Berlusconi zur Herkules-Aufgabe.

Die Liste der Prozesse und Ermittlungen, die noch gegen ihn laufen, ist lang: Das Verfahren wegen Bestechung eines Senators wird in den nächsten Tagen fortgesetzt, im Prozess um abgehörte Telefongespräche steht Ende März ein Termin vor dem Kassationsgericht an. Und auch die "Ruby"-Affäre ist noch nicht ausgestanden, die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Berlusconi wegen der Bestechung von Zeugen. Und obwohl sein Sozialdienst vergangene Woche endete, darf Berlusconi wegen der Verurteilung bis 2019 keine öffentlichen Ämter übernehmen.

Dennoch kündigte er vollmundig an: "Jetzt, wo auch dieses traurige Kapitel beendet ist, bin ich wieder im Spiel, um mit Forza Italia und dem Mitte-Rechts-Lager ein besseres, gerechteres und freieres Italien aufzubauen." Auch Berlusconis Unterstützer feierten den Freispruch als Wendepunkt nach den vergangenen wenig erfolgreichen Jahren für den Ex-Regierungschef. Doch neutrale Beobachter sind skeptisch, ob der angeschlagene Politiker noch einmal zurückkommen kann.

Das nächste Etappenziel der Leitfigur der konservativen Forza Italia (FI) sind die Regionalwahlen im Mai. Ein gutes Ergebnis wäre fundamental wichtig für Berlusconis Comeback-Ambitionen. Denn politisch hat der Medienzar zuletzt massiv an Einfluss verloren. Die FI sackte in Umfragen bis auf 13 Prozent ab und ist intern gespalten. Und auch Berlusconis Verhältnis zu Regierungschef Matteo Renzi hat sich in den vergangenen Monaten deutlich abgekühlt. Spätestens seit der Wahl eines neuen Staatspräsidenten Ende Januar, bei der Renzi seinen Kandidaten über den Kopf Berlusconis hinweg durchsetzte, ist es vorbei mit der Kooperation der beiden bei wichtigen Reformen.

Zudem bekommt der Milliardär auch in seinem eigenen politischen Lager Konkurrenz: Die rechtspopulistische Lega Nord liegt mit Anführer Matteo Salvini in Umfragen bei 15 Prozent und fordert sowohl die FI als auch Renzi offen heraus. "Salvini schlachtet die Reste der Forza Italia aus", urteilte Franceco Galietti vom politischen Think Tank Policy Sonar vor kurzem. "Dort sind mehr und mehr Stimmen zu holen."

Berlusconi muss daher weiterhin an mehreren Fronten kämpfen: Seine Partei einen, sich gegen Attacken aus dem eigenen politischen Lager wehren, Renzi die Stirn bieten und gleichzeitig seine juristischen Verwicklungen unbeschadet überstehen. Und auch die peinlichen Details über Berlusconis wilde "Bunga-Bunga-Partys" und das öffentliche Wissen, dass in seiner Villa regelmäßig Feste mit Prostituierten stattfanden, dürften Berlusconi wohl noch eine Weile nachhängen.