Grund: Denn das Land bekommt bei den Banken keine Darlehen mehr, seit seine Staatsanleihen von Rating-Agenturen als ,,Junk" (Ramschpapier) eingestuft wurden. Griechenland soll nun für eine Weile vom Finanzmarkt genommen und nur von staatlichen Rettern am Leben erhalten werden. So der Plan.

Hinter verschlossenen Türen fanden am Mittwoch in Berlin hektische Beratungen darüber statt. Zuerst im Kanzleramt, wo sich die wichtigsten Minister trafen, dann im Finanzministerium, wo Strauss-Kahn und Trichet mit Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und den Finanzexperten aller Bundestagsfraktionen berieten. Strauss-Kahn und Trichet schilderten, dass der Hilfskredit von 45 Milliarden Euro nicht einmalig fließen müsse wie bisher gedacht, sondern mindestens zweimal. So lange Zeit werde Griechenland sicher brauchen, ehe es sich woanders wieder Geld leihen könne. Wahrscheinlich seien aber drei Jahre.

Beide hatten noch weitere Hiobsbotschaften: Nach den bisherigen Konstruktionen sind allein die Kredite des IWF, bisher 15 der ersten 45 Milliarden Euro, erstrangig abgesichert. Private Investoren folgen an zweiter Stelle und erst dann die europäischen Zahler mit ihren 30 Milliarden. Falls Griechenland die Kredite also nicht begleichen kann, müssen Europas und Deutschlands Steuerzahler bluten. Immerhin, einen kleinen Lichtblick ergaben die Gespräche: Weder IWF noch EZB glauben derzeit, dass die Krise auf Portugal oder andere Länder überspringen wird.

Kritik an Merkel

Fast drei Stunden saß man beieinander. Schäuble, Trichet und Strauss-Kahn machten danach unmissverständlich deutlich, dass die Lage dramatisch ist und die Zeit drängt. Gegenüber den Fraktionsvertretern verkniff sich Strauss-Kahn im Beisein Schäubles nicht den Seitenhieb auf Kanzlerin Angela Merkel (CDU), dass die Europäer viel zu lange gewartet hätten. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann kommentierte das genüsslich: ,,Das Auftreten von Madame No hat sich als schwerer Fehler erwiesen." Insbesondere Strauss-Kahn zeigte viel Verständnis für die Verzweiflung der Griechen. Die internationale Gemeinschaft sei bereit zu helfen, sage er. ,,Es ist schwierig und schmerzhaft", aber Europa sei eine ,,Schicksalsgemeinschaft". Schäuble betonte, dass es um die Stabilität der gesamten Euro-Zone gehe. ,,Es ist ein Problem Europas und damit auch Deutschlands", hob der Minister hervor.

Der weitere Fahrplan ist klar. Schon nächsten Montag will die Bundesregierung eine Rettungsinsel Richtung Ägäis schicken. Der Bundestag soll seine Beratungen darüber bis Donnerstag beenden, damit noch am Freitag auch der Bundesrat entscheiden kann. Grund für die Eile ist, dass am 19. Mai griechische Staatsanleihen im Wert von 8,5 Milliarden Euro fällig werden und Athen den EU-Kredit dann zwingend braucht. Sonst wäre das Land sofort pleite. In dem Gesetzentwurf, der der RUNDSCHAU vorliegt, wird das Finanzministerium ermächtigt, der Kreditanstalt für Wiederaufbau eine Bürgschaft im Wert von 8,4 Milliarden Euro zu geben. Die SPD fordert nun, dass gleich die neuen, höheren Zahlen in das Gesetz geschrieben werden. Derzeit steht in dem Entwurf dort nur eine Leerstelle. Man wolle, sagte Oppermann, ,,Klarheit noch vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen".

Opposition stellt Bedingungen

Ohne die Opposition kann die Regierung ein Eilverfahren nicht durchsetzen. SPD wie Linke und Grüne stellen zudem die Bedingung, dass auch die Banken an den Kosten beteiligt werden. ,,Die Bürgschaft garantiert den Banken, dass ihre Spekulation noch aufgeht. Das kann ja wohl nicht wahr sein", sagte die Vorsitzende des Haushaltsausschusses, Petra Merkel (SPD). Auch in den Regierungsfraktionen gibt es Sympathie für dieses Anliegen. Wie es umgesetzt werden soll, ist freilich offen, zumal die Zeit dafür wohl nicht reicht. Aus Regierungskreisen hieß es nebulös: ,,Die Umschuldung erfolgt später."

Voraussetzung für die deutsche und europäische Hilfe bleibt weiterhin, dass Athen ein hartes Spar- und Sanierungsprogramm auflegt, betonten Sprecher der Bundesregierung am Mittwoch. Die Verhandlungen darüber sollen bis zum Wochenende abgeschlossen sein. Vorsorglich wurden die Staatssekretäre aller Bundesministerien in einem internen Schreiben schon gebeten, sich am Sonntag die Zeit von 16 bis 19 Uhr frei zu halten.