Das normalerweise vor Menschen wuselnde Zentrum der Acht-Millionen-Stadt wirkte ausgestorben.
Fünf Monate nach der ersten demokratischen Wahl seit mehr als vierzig Jahren herrscht in Kinshasa wieder Krieg. Niemand weiß, wie lange die Kämpfe zwischen der Armee und den Truppen des Oppositionsführers Jean-Pierre Bemba anhalten werden. Verhandlungen lehnt die Regierung ab.
Dabei sah zunächst alles so gut aus. Nachdem Bemba Ende Oktober die Stichwahl gegen Amtsinhaber Joseph Kabila verloren hatte, zog er erst vor Gericht und gestand schließlich seine Niederlage ein. "Ich werde die Opposition führen", hatte Bemba angekündigt. Die beiden Kontrahenten hatten im Bürgerkrieg von 1998 bis 2003 eigene Armeen kontrolliert. Von den UN, die im Kongo mit 17 000 Soldaten ihre größte Friedensmission unterhalten, und westlichen Diplomaten wurde Bemba für seine Haltung gefeiert. Die befürchteten Straßenkämpfe in der Bemba-Hochburg Kinshasa blieben aus.
Doch ein Vierteljahr später ist der Burgfrieden vorbei. Auslöser der schweren Kämpfe ist ein Ultimatum der Regierung, die Bembas Privatarmee auflösen und - wie vor der Wahl vereinbart - in die reguläre Armee integrieren will. Der Vereinbarung zufolge darf Bemba maximal 15 Leibwächter von seiner auf 200 Soldaten geschätzten Truppe behalten. Doch die, so protestiert ein Sprecher von Bembas Partei, reichten nicht aus, um Bembas Leben zu schützen. "Wir wollen mit der Regierung darüber verhandeln, welche andere Lösung es für das Problem geben kann."
Bemba selbst rief über Radio zu einem Ende der Kämpfe auf: "Ich fordere meine Soldaten auf, an ihre Positionen zurückzukehren. Von den Regierungstruppen erwarte ich, dass sie ihre Provokationen einstellen." Doch Kabila wittert offenbar die Chance, das Problem Bemba endgültig loszuwerden. "Was wir hier sehen, ist eine Rebellion, ein Staatsstreich", hieß es gestern aus dem Präsidentenpalast.
Gegen Bemba, der in die südafrikanische Botschaft floh, erließen die Behörden gestern Haftbefehl wegen Hochverrats.