Ausgerechnet in der schwersten Krise des Landes seit Wladimir Putins Machtübernahme vor 15 Jahren häufen sich Fragen nach dem Verbleib des Kremlchefs. Erst lässt er eine Reise nach Kasachstan absagen. Nun machen - wie immer in solchen Fällen - Gerüchte um Putins Gesundheit die Runde.

Nicht zum ersten Mal muss Kremlsprecher Dmitri Peskow Fragen besorgter Medien zum Befinden des mächtigsten Mannes in Russland beantworten. Aber selten muss Peskow das so oft tun wie diesmal. Ist Putin womöglich der internationale Druck auf Russland im Ukraine-Konflikt zu viel?

Entlocken lässt sich Peskow nur, dass die Lage wegen der Krise in Russland tatsächlich gespannt, Putins Kalender randvoll sei. Andauernd habe der Präsident Gespräche und Treffen mit Regierungsmitgliedern, Bossen von Staatskonzernen und Banken.

"Es ist alles in Ordnung", beteuert Peskow eisern. Putin gehe es gut. Der Händedruck des Präsidenten sei so fest, dass er jemandem die Knochen brechen könne. Der markige Spruch soll vor allem bei jenen sitzen, die Putin zuletzt eine kaum noch überschaubare Zahl schwerer oder sogar tödlicher Krankheiten andichteten.

Auf Fragen nach seinem möglichen politischen Ende antwortet der begeisterte Sportler Putin fast schon traditionell: "Warten Sie erst gar nicht darauf!" Es ist beileibe nicht das erste Mal, dass Spekulationen ins Kraut schießen, sobald Putin mal nicht in den täglichen Abendnachrichten im Fernsehen zu sehen ist. 2012 gab es wochenlang Gerüchte um ein Rückenleiden des begeisterten Judoka mit dem Schwarzen Gürtel.

Allerdings sitzen Zweifel an den offiziellen Worten des Kreml traditionell tief. Groß ist das Misstrauen aus Sowjetzeiten, als das Politbüro etwa den Zustand von Kremlchef Leonid Breschnew wie ein Staatsgeheimnis hütete. Daran hat sich auch nach dem Zusammenbruch des Kommunismus nichts geändert.