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Wie sicher Urlauber in Reisebussen sind

Die Fahrerkarte weiß (fast) alles, speichert Lenk- und Ruhezeiten. Sie ersetzt den Fahrtenzähler.
Die Fahrerkarte weiß (fast) alles, speichert Lenk- und Ruhezeiten. Sie ersetzt den Fahrtenzähler. FOTO: Taubert
Welzow. Der Welzower Chef von S & S Bustouristik, Christian Stecher, gibt Auskunft über hohe Standards und Kontrollen für Fahrer und Fahrzeuge. Christian Taubert

Immer wieder hat sich Christian Stecher das im Netz kursierende Video von dem tragischen Reisebusunfall in Oberbayern angesehen. Aber auch für den erfahrenen Reisebus-Unternehmer und langjährigen Fahrer solcher Gefährte war es nahezu unerklärlich, dass der Bus in so kurzer Zeit in Flammen stand.

Die Ergebnisse der Untersuchung, die gestern bekannt wurden, kommen seiner These zum möglichen Unfallhergang sehr nahe. "Ohne zu spekulieren, aber irgendwoher muss es einen mächtigen Zündimpuls gegeben haben", hatte Stecher vor wenigen Tagen gegenüber der RUNDSCHAU gesagt. "Die Batterie, die sich nahe dem Fahrersitz befindet, könne bei dem Aufprall beschädigt worden und für die Entzündung des Kraftstoffes verantwortlich gewesen sein" - so die Erklärung des Chefs von S & S Bustouristik Welzow. Die RUNDSCHAU hatte ihn mit etwas Abstand zum Unglücksgeschehen aufgesucht, um mit ihm über die Sicherheit von und mit Reisebussen zu reden. Immerhin ist der Welzower seit 25 Jahren am Markt. Seine fünf Busse sind in ganz Europa auf Tour.

In Norwegen lässt er ein Vierteljahr lang einen Bus vor Ort. Weil den Touristen die Überfahrt nach Skandinavien zu lange dauert, fliegen sie. Und setzen sich dann in die weichen Sitze seines modernen Reisebusses. "Ich bin schon wieder auf dem Sprung", deutet der 60-Jährige an, dass er gleich im Flieger sitzt, um seinem dort stationierten Fahrer die gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit zu gewähren.

Aus Sicht von Christian Stecher hat der Gesetzgeber ein so enges Netz an Vorgaben und Kontrollen für Fahrer und deren Fahrzeuge gespannt, dass die Reisebusbranche "als sicher gilt". So müssten die Fahrer alle fünf Jahre ihren Busschein erneuern. Das heißt: Neben einer ärztlichen Untersuchung und dem Sehtest kommen für Kollegen über 50 Jahre zusätzliche Kontrollen hinzu. Ebenfalls im Fünf-Jahres-Rhythmus sind fünf Weiterbildungsmodule zu absolvieren. Dafür werden fünfmal sieben Stunden angesetzt, in denen es um Veränderungen von gesetzlichen Regelungen im Straßenverkehr in Theorie und Praxis geht. "Trotzdem wird es die absolute Sicherheit nicht geben. Auch, weil immer der Faktor Mensch berücksichtigt werden muss", weiß der Bustouristik-Chef nur zu gut.

Bis vor Kurzem hatte er noch sagen können, dass den Welzowern noch nie etwas auf einer Reise mit Touristen passiert ist. Anfang Mai geschah dann doch etwas. Gerade einmal bis Neupetershain-Nord war der S & S-Reisebus gekommen, da kollidierte er mit dem Auto einer 25-Jährigen. Sie hatte die Vorfahrt nicht beachtet. 13 Businsassen kamen mit dem Schrecken davon. "Es wurde niemand verletzt und wir hatten schnell einen Ersatzbus zur Stelle", schildert Christian Stecher den "Schreck in der Morgenstunde".

Zur Kontrolle der Fahrer gehöre es zudem, dass sie neun Stunden Lenkzeit - mit Pausen - nicht überschreiten dürfen. "Registriert wird das alles auf einer Fahrerkarte. Die speichert auch Verkehrsverstöße", schildert Stecher, dass es bei einer Verkehrskontrolle kein Diskutieren gibt. Die Daten auf der Plastekarte in der Größe eines Personalausweises werden zum Abgleich auf den Laptop der Polizei übertragen.

Wann die Welzower einen zweiten Fahrer bei langen Touren einsetzen? "Wenn es einer allein nicht schaffen kann", zeigt sich Stecher pragmatisch. Zunächst werde erst einmal versucht, einen Fahrer in der Region dafür einzusetzen, die Reisenden "einzusammeln". Das könne schon gute drei Stunden dauern. Dann wird der Bus übergeben, und "unser Einsammler kommt zurück".

Der Reisebus selbst muss nach Stechers Auskunft im ersten Jahr nach der Anschaffung zum Tüv. Im zweiten Jahr kommt neben der Hauptuntersuchung eine halbjährliche Sicherheitsprüfung (SP) hinzu. Sie konzentriert sich auf wichtige verschleißbehaftete und reparaturanfällige Teile und Systeme. Diese SP geht ein Jahr später in einen vierteljährlichen Rhythmus über. Zur Kontrolle dieses Systems haben die Unternehmen die Prüfbücher für Tüv und SP jedes Jahr unaufgefordert an das Landesamt für Verkehr einzureichen.

"In Deutschland ist es nahezu unmöglich, mit Schrottbussen zu fahren", sagt der Welzower Unternehmer. Er hat übrigens noch zwei Lkw zum Personentransport, die der gleichen Prüf- und Kontrollprozedur unterzogen sind. "Damit fahren wir oft mehrmals am Tag auf Bergbautour in den Tagebau", verweist Christian Stecher auf ein zweites Standbein, "das immer mehr nachgefragt wird".

Wie sicher sind Reisebusse? Christian Stecher, Chef von S & S Bustouristik Welzow, gibt Auskunft.
Wie sicher sind Reisebusse? Christian Stecher, Chef von S & S Bustouristik Welzow, gibt Auskunft. FOTO: Taubert