Paris war im Schock. In den europäischen Regierungen herrschte Fassungslosigkeit. Nach den Anschlägen der mutmaßlichen IS-Terroristen mit 130 Toten gaben Trauer und Solidarität mit den Opfern die Tonlage für die Kommentare in den europäischen Medien an.

In Budapest hingegen schrieb Gabor G. Fodor, ein Berater des rechtskonservativen Ministerpräsidenten Viktor Orban, einen triumphalistischen Text. Auf der Webseite "888.hu", deren Chefredakteur Fodor ist, war zu lesen: "Heute Nacht ist der Liberalismus gescheitert. Gescheitert sind Merkel und Hollande. Gescheitert sind die einwanderungs- und letztlich terrorfreundlichen Brüsseler Bürokraten. Heute ist der Tag der Trauer. Doch von morgen an muss ein neuer Tag über Europa heraufdämmern."

Auch in anderen Ländern Osteuropas hetzen Spitzenpolitiker gegen Flüchtlinge und Asylsuchende - und auch nicht erst seit den Pariser Anschlägen. Der neue polnische Außenminister Witold Waszczykowski schlug vor, die jungen Männer unter den syrischen Asylbewerbern als Soldaten in ihre Heimat zurückzuschicken. "Oder können Sie sich vorstellen, dass wir unsere Armee zum Kampf nach Syrien schicken, während 100 000 Syrer in Berlin Kaffee trinken?", meinte er im Fernsehsender TVP info.

"90 Prozent der Migranten fliehen nicht vor Krieg und Not, sondern sind reine Wirtschaftsflüchtlinge", glaubt der linksnationale slowakische Ministerpräsident Robert Fico zu wissen. Nach den Pariser Anschlägen verkündete er: "Wir überwachen jeden einzelnen Muslim, der sich auf dem Gebiet der Slowakei befindet." Er hat leicht reden: sein Land hat bislang kaum Flüchtlinge aufgenommen.

Der tschechische Präsident Milos Zeman malte ein wahres Panik-Szenario wegen der Flüchtlinge an die Wand: "Sie werden das Scharia-Recht befolgen, das heißt untreue Ehefrauen werden gesteinigt, und Verbrechern werden die Hände abgehackt."

In der EU sperren sich die vier Visegrad-Länder Ungarn, Polen, Tschechien und Slowakei vehement gegen die vom EU-Rat beschlossene Quote zur Verteilung von Flüchtlingen auf alle Mitgliedsländer.