"Wir brauchen keinen großen Bauchladen, sondern ein geschärftes Profil", mit dieser Devise ist Professor Jörg Steinbach in Cottbus angetreten. Jetzt legt der neue Präsident der BTU Cottbus-Senftenberg ein 120 Seiten umfassendes Dokument vor, das den gemeinsamen Weg in die Zukunft für die fusionierten BTU Cottbus und Fachhochschule Senftenberg vorzeichnet.

Der Hochschulentwicklungsplan bis 2020 folgt genau diesen Intentionen. In mehr als 600 Diskussionsstunden hat das Uni-Präsidium das Konzept verteidigt, präzisiert und geändert. Bis jener Zukunftsplan entstand, der ohne Gegenstimme angenommen und im Juli an das Potsdamer Wissenschaftsministerium geleitet wurde. Die ersten Reaktionen - auch aus dem Wissenschaftsrat und Landeshochschulrat - sind durchweg positiv. Sich neu zu erfinden, was für die fusionierte BTU zwingend notwendig war, das ist in der Hochschullandschaft bundesweit nach Experteneinschätzung nahezu einmalig.

"Wir haben gezeigt, dass wir selbst in der Lage sind, uns zu verändern", bewertet Steinbach das Strategiepapier, das aus seiner Sicht dazu beigetragen hat, "dass nach der Zeit der Debatten nun eine andere Gelassenheit an der Uni eingezogen ist".

Was sich dahinter verbirgt, wenn sich eine Hochschule neu erfindet, erläutert der Präsident an mehreren Beispielen. So seien bei der Profilbildung nicht zuerst die Studiengänge festgelegt worden. Vielmehr habe man sich an Themen der verstärkten Verbundforschung orientiert, um letztlich die Frage zu beantworten: Welche Studiengänge werden vor diesem Hintergrund angeboten. Immerhin gehe es, so Steinbach, darum grundlagen- und entwicklungsorientierte Forschung auf internationalem Spitzenniveau zu betreiben. Dabei werde es darauf ankommen, starke nationale und internationale Forschungsverbünde mit verschiedenen Partnern - Universitäten, Fachhochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Industriepartnern - zu bilden.

Forschung und Lehre müssen laut Strategiepapier noch besser eine untrennbare Einheit bilden. Flexibilität soll hier gesichert werden, indem sich die Studienangebote im Lauf der nächsten Jahre in dem Maße anpassen, wie sich das Forschungsprofil noch stärker jüngsten Zukunftsfeldern zuwendet. Derzeit wird das mehrgleisige Studienangebot mit fachhochschulischen und universitären Studiengängen um drei duale Studiengänge (Maschinenbau, Elek-trotechnik und Wirtschaftsingenieurwesen) erweitert. Der Wechsel von fachhochschulischen zu universitären Studiengängen und umgekehrt ist zu verschiedenen Zeitpunkten im Studienverlauf möglich. Dieses bundesweit einzigartige H-Modell bietet den Studierenden die Möglichkeit, ohne Studienabbruch je nach den individuellen Bedürfnissen oder Berufsvorstellungen noch im Studienverlauf zu wechseln.

Bei der Straffung der ehemals acht auf künftig sechs Fakultäten (siehe Grafik) folgt der Plan einer besseren Vernetzung innerhalb der Fachgebiete. Es sollen Synergieeffekte erzeugt werden. Inhaltlich sich ergänzende Fachgebiete sind dabei in der klassischen Struktur von Instituten und Fakultäten organisiert.

In kommenden Jahren wird es - teils altersbedingt - 70 neue Professuren geben, was aus der Neuausrichtung der Universität resultiert. Mit einer finanziell komfortabel ausgestatteten Berufungsplanung sollen erstklassige Kandidaten nach Cottbus geholt werden. Die Anzahl der zu besetzenden Professuren beträgt 177. Dies bedeutet eine Reduzierung von 45 Fachgebieten. Langfristig wird der Standort Senftenberg etwa ein Drittel der Professorenschaft beheimaten.

Mit der Profilschärfung und der Neustrukturierung werde laut Steinbach das Ziel verfolgt, "dass in sechs bis zehn Jahren niemand mehr den Erhalt der BTU infrage stellt". Spätestens zum Ende seiner sechsjährigen Legislatur - "Je eher, desto besser." - soll es gelungen sein, dass die BTU Mitglied der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ist. Und: Der Präsident bezeichnete es gegenüber der RUNDSCHAU als Alleinstellungsmerkmal der BTU, "dass von der dualen Ausbildung bis zum Hochbegabten-Studium alles unter dem Dach einer forschenden Universität ermöglicht wird".

Zum Thema:
Innerhalb eines Jahres ist der Hochschulentwicklungsplan (Hep) der neuen BTU Cottbus-Senftenberg entwickelt worden. Der Präsident spricht von 600 bis 800 Stunden, in denen das Präsidium in verschiedenen Gremien und mit unterschiedlichsten Beteiligungsformen über den Zukunftsplan diskutiert hat. Dafür hat er seinem Team am Montag ausdrücklich gedankt. Am 22. Juli 2015 wurde das Dokument vom Erweiterten Gründungssenat ohne Gegenstimme verabschiedet und am 28. September 2015 beim Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur Brandenburgs eingereicht. Das Ministerium erwartet nun die Stellungnahme von Wissenschaftsrat und Landeshochschulrat zum vorgelegten Konzept. Voraussichtlich im Februar 2016 soll der Entwicklungsplan endgültig genehmigt sein.