Peter Altmaier ist ein Mann griffiger Worte. "Es darf nicht sein, dass die Energiewende ihre Kinder frisst", sagt er. Doch jenseits aller Thesenpapiere zu angeblichen Strompreisbremsen nehmen immer mehr Verbraucher das Problem selbst in die Hand. Auch der Bundesumweltminister ist immer wieder verblüfft, wie viel Strom sich sparen lässt.

Die Zustimmung zur Energiewende ist weiter hoch - doch bis die Politik sich auf ein Maßnahmenpaket zur Kostenbegrenzung geeinigt hat, heißt es: selbst bremsen. Zumal immer mehr Laptops, Fernseher und Digital-Geräte am Stromnetz hängen.

Die jüngsten Strompreiserhöhungen haben viele Verbraucher mit dem Wechseln von Anbietern zu kompensieren versucht. Zwischen November und Januar haben sich nach Angaben des Internet-Vergleichportals Verivox knapp zwei Millionen Kunden einen neuen Stromversorger gesucht.

Eine erfolgversprechende Maßnahme ist der Kampf gegen "Stromräuber". Allein ein auf Stand-by gestellter DVD-Spieler kann nach Angaben des Umweltbundesamtes (UBA) eine Leistungsaufnahme von 15 Watt haben, was über das Jahr betrachtet Stromkosten von mehr als 25 Euro verursacht. Ebenso ziehen eingestöpselte Radios und Fernseher Strom, aber auch Handy-Ladekabel. Ein Waschgang bei 40 Grad bringt etwa 50 Prozent Energieeinsparung gegenüber dem 60-Grad-Programm mit sich. So könnten Single-Haushalte mehr als 20 Euro pro Jahr sparen.

Das Öko-Institut hat im Rahmen der Aktion "1000 Euro Strom sparen" eine Reihe hilfreicher Einspartipps erarbeitet.

Beispiel Duschen: Mit 25 Euro für eine wassersparende Duschbrause könne ein Zwei-Personen-Haushalt pro Jahr durchschnittlich 97 Euro Stromkosten für warmes Wasser und rund 60 Euro durch gesunkene Wasserkosten sparen.

Beispiel Stand-by: Mit abschaltbaren Steckdosenleisten für Drucker, Computer, Fernseher und Stereoanlage könne ein Haushalt 500 Kilowattstunden (kWh) Strom pro Jahr und damit bis zu 140 Euro an Kosten sparen. Ein Stromfresser sind auch alte Heizungspumpen. Und natürlich Glühbirnen.

Beispiel 32-Zoll-Fernseher: Ein altes TV-Gerät verbraucht bis zu 235 kWh Strom pro Jahr, ein Gerät der Klasse A+++ nur 21 kWh. Damit gibt es bei einem kWh-Preis von 28 Cent ein Verhältnis von 65,80 zu 5,90 Euro. In zehn Jahren sind es fast 600 Euro Differenz.

Beispiel Waschmaschine: Ein Gerät mit einem Fassungsvermögen von sieben Kilo der Energieklasse D braucht 369 kWh, eine Waschmaschine der besten Effizienzklasse 175 kWh. Hier liegt der Unterschied in einem Jahr bei 54 Euro, in zehn Jahren sind es 540 Euro Ersparnis.

Beispiel Kühlschrank: Ein Gerät mit einem Volumen von 200 Litern verbraucht laut UBA zwischen 320 und 64 kWh. Die Stromkosten liegen dabei zwischen 90 und 18 Euro pro Jahr. Auf zehn Jahre beträgt der Unterschied bei beiden Kühlschränken immerhin rund 720 Euro.

Vor diesem Hintergrund werden vermehrt Hilfsprogramme für einkommensschwache Bürger gefordert, damit sie Altgeräte ausmisten und sparen können. Konkrete Unterstützung bieten die Zu-Hause-Energieberatungen der Verbraucherzentralen (zehn bis 30 Euro).

Volker Gustedt von der Berliner Energieagentur berichtet zudem von immer mehr Stromspar-Checks, die mit der Caritas organisiert werden. Langzeitarbeitslose werden zu Stromsparhelfern ausgebildet und machen sich mit Sparlampen, abschaltbaren Steckern und Wasserdurchlaufbegrenzern auf zu einkommensschwachen Haushalten, um diese zu beraten.