Kein Vertipper oder ein Klick auf die falsche Taste: Wer in den vergangenen Tagen auf die Internetseite www.spd-luebben.de gehen wollte, landete automatisch bei der CDU. Die Christdemokraten hatten sich kurzerhand die Internet-Domain der politischen Konkurrenz gesichert. Mittlerweile haben in Lübben beide Parteien wieder ihre eigene Seite. Doch das Beispiel ist kein Einzelfall.

"Im Schnitt haben wir 2000 bis 3000 Registrierungen am Tag", sagt Denic-Sprecherin Stefanie Welters. Denic ist so etwas wie der Hüter aller de-Adressen. Mit 15,5 Millionen de-Seiten gehört die Denic mit Sitz in Frankfurt (Main) damit weltweit zu den größten Verwaltern des Internets. So etwas wie in Lübben komme immer mal wieder vor. "Wir haben aber keine Prüfpflicht. Der Domain-Inhaber ist für seine Seite verantwortlich", so Welters zur RUNDSCHAU. Heißt: Wer Marken oder Namensrechte verletzt, muss möglicherweise mit Konsequenzen rechnen.

Prominentes Beispiel war die Seite angelamerkel.de. Auch diese führte bis vor Kurzem nicht zur Kanzlerin - sondern zur SPD. Wer allerdings angela-merkel.de eingab, kam tatsächlich bei der Politikerin raus. Das Problem: Die falsche Domain (ohne Bindestrich) war bereits registriert, als man die richtige anmeldete. Seit wenigen Tagen führen beide zu Angela Merkel. Doch noch gilt im Internet oft die Devise: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Das müssen auch Nicht-Politiker erfahren. So streitet sich etwa Starkoch Alfons Schuhbeck seit Jahren mit dem bayrischen Religionslehrer Sebastian Schuhbeck. Beide haben die Adresse Schuhbeck. Die eine endet mit de und die andere mit com.

"Die Rechtslage ist in solchen Fällen kompliziert", erläutert Welters. Warum sollte der eine Name - weil bekannter - quasi mehr wert sein. Eindeutiger wird es, wenn die Domain eindeutig zuordenbar ist - wie im Fall der Sozialdemokraten aus Lübben.

Dort war die CDU-Aktion wohl eher als Spaß gemeint. "Die SPD hatte keine Seite", sagt Stadtverbandsmitglied Jens Richter. Dabei hatten die Lübbener Sozialdemokraten schon mal eine Homepage. Bei dieser war aber der Vertrag ausgelaufen, was die Domain wieder freimachte. Böse Zungen behaupten, diese Klau-Aktion war eine Retourkutsche für den Lübbener Bürgermeisterwahlkampf 2002. Da trat Peter Schneider (SPD) gegen Lothar Bretterbauer (CDU) an. Wer damals auf die vermeintliche Seite von Bretterbauer klickte, landete bei: Schneider.

Während man sich in Lübben dann doch geeinigt hat, wurden im Fall Merkel die Anwälte aktiv. Wie Denic-Sprecherin Welters bestätigt, hatte die sich an den Frankfurter Domain-Verwalter gewandt, der nach Prüfung die falsche Merkel-Seite sperrte. Wer die vermeintliche Kanzlerinnen-Seite allerdings wirklich registrierte, ist unklar. Laut Denic lief die Seite über einen Victor S. aus Odessa in der Ukraine.