Mission Olympic - das war etwas ganz Feines fürs Herz, für die Seele und für die Fitness. Im dritten Anlauf hatte es Weißwasser ins Finale geschafft. Doch anfangs wollte der Funke der Begeisterung nicht überspringen. Sportstadt hin und her. Gelingt es, auch Sportmuffel aus den Wohnungen zu locken? Und wie das gelang!

Am 1. und 2. Juni wurden die Turnschuhe geschnürt, der Rucksack gepackt, und dann hieß es: "Auf die Plätze, fertig, los!" Das war einfach gigantisch, wie an diesen beiden Finaltagen in der Stadt die Post abging, sich die Menschen anfeuerten, auf Punktejagd gingen und sich gegenseitig auf die Schultern klopften.

In Kitas und Schulen, in Firmen und Geschäften sowie Behörden ging es am ersten Tag um jeweils dreißig Minuten alltagstaugliche Bewegungen. Einfach mal nur die Arme kreisen lassen, wäre zu einfach gewesen. Viele witzige Ideen waren dabei, die die Leute ins Schwitzen brachten und zeigten, wie viel Spaß Sport bereiten kann. Aktenangeln, Rathaus-Treppenlauf, Reifen-Wettrollen, Sand schippen. Wer sich beim Friseur die Haare legen lassen wollte, musste sich erst einmal beim Wattebausch-Zielwerfen einbringen. Genial auch die Riesen-Annemarie-Polka auf dem Sportplatz vom Landau-Gymnasium. Und in der Lokalredaktion der RUNDSCHAU stapelten wir Mitarbeiter mithilfe von fleißigen Lesern im Schweiße unseres Angesichts komplette Jahrgänge unserer Zeitungsausgaben.

Doch die viel größere Herausforderung war es, die Stadt anschließend 24 lange Stunden in Schwung zu halten. Mehr als 500 Angebote warteten an Bewegungsstationen. Das bedeutete, für Weißwassers Sieg radeln, rennen, Ball spielen, schwimmen, Eishockey spielen, kegeln, Dartpfeile werfen, die eigene Reaktionsgeschwindigkeit testen und und und. Probieren geht über studieren. Ob Jung oder Alt, ob Single oder in Familie, ob aus Weißwasser und den umliegenden Orten - alle tobten sich in der Stadt aus, die einem riesigen Sportplatz glich. An allen Ecken und Enden ging es turbulent zu, wobei der Marktplatz das Herz des Ganzen war. Vor allem für Familien mit Kindern boten sich paradiesische Verhältnisse. Ob beim Skilanglauf im Sommer, Schubkarren-Rennen oder bei Geschwindigkeitsläufen durch Türen, die mitten auf der Straße standen bis Badewannen-Hindernis-Rollen. Da hielten die TSC-Tänzer die Leute in Schwung, wurde Gummihopse gespielt . . . Der Tag hielt Angebote bereit, die so bunt waren wie das Leben .

Unvergesslich bleibt der Rekordversuch um die längste Eimerkette der Welt. Damit landete die Freiwillige Feuerwehr Weißwasser einen super Beitrag für das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Stadt. Am Wasserturm-Springbrunnen befüllt, wurden innerhalb von knapp zweieinhalb Stunden 300 Eimer durch 4361 Hände über eine Strecke von knapp fünf Kilometern bis zum Marktplatz gereicht. Damit die Kette zwischendurch nicht reißt, rannten einige mit Kind und Kegel, Mann und Maus - inklusive wir Zeitungsleute - wie die Heftelmacher von einem Standort zum nächsten. So wurde weiß Gott nicht nur ein Eimer in die Hand genommen, sondern es wurde geschleppt und geschleppt und geschleppt. Zum Beispiel durch die Rettungsschwimmer Jörg Funda und René Blümel. Dabei steckten diesen noch 160 geschwommene Bahnen vom 24-Stunden-Wettkampf in den Knochen. Beneidenswerte Kondition. Die legten auch die Aktiven beim Städteduell an den Tag. Je fünf Sportler aus Weißwasser und Meiningen boten sich spannende Wettkämpfe in vier olympischen und nichtolymischen sowie in zwei regionalen Sportarten. Die Weißwasseraner siegten. Das Punktekonto wuchs und wuchs. Reicht es für den Titel "Deutschlands aktivste Kleinstadt"? Weißwasser übte sich nun in der Disziplin Geduld. Fast ein halbes Jahr. Dass die Mission-Olympic-Jury am 27. November beide Städte mit der Goldmedaille und je 20 000 Euro Siegprämie ehren würde, war eine Überraschung. Ebenso, dass die Guinness-Gesellschaft den Weltrekord um die längste Eimerkette nicht anerkennt, weil die Leute hin- und herdüsten.

Das schmälert das super Finalwochenende keineswegs. Es war etwas ganz Feines fürs Herz, für die Seele und für die Fitness.