Quasi ein Musterhaus, um vorzuführen, wie es sich abseits des festen Ufers leben lässt.
Die Freizeit- und Wasserwelt GbR will die schwimmenden Häuser am Südufer des Geierswalder Sees vor Anker legen. Firmenmitinhaber Wolfgang Fischer hat sich schon seit 1999 mit der Idee beschäftigt, wie er sagt. Er schaute sich in Holland Häuser auf dem Wasser an, weiß, dass diese Wohnform in den USA und Kanada recht verbreitet ist. Für das künftige Lausitzer Seenland bietet sich ein solches Modell geradezu an. Die Gewässer entstehen aus ehemaligen Tagebauen. Die künstlich aufgeschütteten Böschungen sind in Bewegung. Deshalb sollte das Ufer offen bleiben, um diese Dynamik zuzulassen, findet Fischer.
Das ist aber nur ein Grund, Häuser aufs Wasser zu setzen. Die neu entstehende Urlaubsregion soll sich durch Eigenheiten abheben, die die Landschaft konkurrenzfähig in Deutschland machen, etwa zur Müritz oder zum Bodensee. Die Freizeit- und Wasserwelt GbR hat insgesamt 32 schwimmende Häuser am Geierswalder See geplant.

Noch Fragen offen
Die windschlüpfrigen Konstruktionen aus Stahl oder Holz und viel Glas stehen auf einem Betonponton, der im Gewässergrund verankert ist. Die Hälfte davon könnte an Privatleute verkauft werden, die sich einen Wohnsitz auf dem Wasser zulegen wollen. Die anderen Häuser sollen Urlaubern als Feriendomizil angeboten werden. Investoren, die diese Objekte vermieten würden, stünden „Gewehr bei Fuߓ, sagt Fischer.
Allerdings sind zunächst noch Grundstücksfragen zu klären. Bislang ist der See im Besitz der bundeseigenen Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV). Rasch müsse ein neuer Eigentümer gefunden werden, damit die Entwicklung am See vorankommt, macht Fischer deutlich. Auch das schwimmende Musterhaus wird erst gefertigt, wenn die wasserrechtliche Genehmigung aus dem Dresdner Regierungspräsidium vorliegt. Fischer geht davon aus, dass diese bis Ende Februar eintrifft. „Wir produzieren nichts auf Halde“, stellt er klar. Immerhin koste das Referenzobjekt rund 140 000 Euro und mit einer Förderung kann die Freizeit- und Wasserwelt GbR nicht rechnen.
Wenn das schwimmende Haus im Frühsommer auf dem Wasser steht, bekomme der Geierswalder See einen interessanten Anziehungspunkt, ist Ortsvorsteher Karl-Heinz Ra dochla überzeugt. Zehn Angebote für Wassersport und Erholung sollen Besucher in der bevorstehenden Saison außerdem an das Gewässer locken, in das sich der 1972 stillgelegte Tagebau Koschen inzwischen verwandelt hat.

Wasser zu sauer
Das Spektrum der Möglichkeiten reicht von Surfen über Segeln bis hin zu Jet- und Wasserski. Campingplatz und Bootsverleih sowie 2005 erstmals auch die Ausleihe von Inlineskates. Fahrräder und Quads (vierrädrige Motorräder) stehen zur Verfügung.
Noch fehlt dem See Badequalität, denn das Wasser in der einstigen Grube ist zu sauer. Vorsorglich wird darauf hingewiesen, dass es Hautreizungen hervorrufen kann. Etwa 20 000 Gäste ließen sich 2004 davon nicht abhalten und tummelten sich am Strand in der Südbucht. Die Gemeinde lässt gerade einen Zimmernachweis für den See erarbeiten. Besucher, die länger bleiben wollen, suchten eine Übernachtung vor Ort, weiß Radochla. Nur vier der etwa 400 Einwohner in Geierswalde bieten Quartiere an. Der Ortsvorsteher ist optimistisch, dass es bald mehr Unterkünfte am Geierswalder See geben wird, wohl auch in den schwimmenden Häusern.