Ganz so ist es nicht - rückt die Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus die Aussage zu recht. Regionalität sei in der Lausitz durchaus ein wichtiges Verkaufsargument, sagt Maik Bethke, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus. Vor allem gesundheitsbewusste Kunden achten auf kurze Transportketten, frische und gesunde Waren und wenden sich hierfür gern an den Händler ihres Vertrauens. .Kunden seien erfahrungsgemäß gern bereit, den Preis für Regionalität und Qualität zu bezahlen.

Das kann Goedele Matthyssen bestätigen. Wenn die Marke etabliert ist und die Qualität stimmt, dann greife der Lausitzer auch durchaus etwas tiefer in die Tasche, weiß die Geschäftsführerin der Schokoladenmanufaktur Felicitas in Hornow. Heute gibt es die belgische Schokolade natürlich in der Lausitz, auch in Potsdam, Dresden, München, London und in der belgischen Botschaft, berichtet Matthyssen stolz. Der Weg dahin war lang und hart, erinnert sie sich. Ihr Erfolgsrezept: „Wir haben nicht so schnell aufgegeben.“ 1992 hat das belgische Ehepaar Matthyssen und Peter Bienstman in der Küche einer ehemaligen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft angefangen, „1995 waren wir theoretisch pleite. Hätten wir nicht unsere belgischen Freunde und stille Teilhaber gehabt und unseren Idealismus, wer weiߓ, sinniert Goedele Matthyssen. „Jammern hilft nicht“ - lautet ihr Erfolgsrezept. Und auch wenn sie am Markt etabliert seien, „es bleibt immer ein Kampf.“ Für den Bierbrauer tue es es ihr leid, Felicitas verkaufe das Craftbeer ja auch im Café und biete es in regionalen Präsentarrangements mit an. Felicitas sehe sich eben als „Botschafter der Lausitz“, so Goedele Matthyssen.

Auch das Ein-Frau-Unternehmen „Rosenrot und Feengrün“ kann die Aussage des Bierbrauers nicht ganz bestätigen. Sie ist „total zufrieden“, sagt Andrea Veltjens der RUNDSCHAU. Die 58-Jährige hat vor 15 Jahren angefangen, aus selbst gepflückten Wildbeeren wie Schlehe, Holunder, Hagebutte Marmelade zu kochen. „Der Anfang war schwierig und sehr anstrengend“, erinnert sich die Burgerin. 13 Jahre lang ist Veltjens jeden Samstag auf Wochenmärkte in Berlin gefahren, hat ihr Produkt angepriesen und „vor allem verkosten lassen“. Das sei immer die beste Werbung, hat sie in den Jahren festgestellt. Heute gibt es die Marmelade in optisch ansprechenden Gläsern mit handschriftlicher Aufschrift in regionalen Feinkostläden in ganz Deutschland, in Hotels, online. Auf ausgewählte Märkte fährt Andrea Veltjens immer noch. Und immer noch ist alles Handarbeit, „jede Zitrone ist selbst gepresst“.„Viel arbeiten, um einigermaßen davon leben zu können“ - lautet das Erfolgsrezept der kleinen Marmeladenmanufaktur aus dem Spreewald.

Auch das „Scharfe Gelb“ in Senftenberg hat „klein angefangen“, erinnert sich Heiko Tänzer, einer der Geschäftsführer. Bis zum Mai 2018 wurde der Eierlikör aus Senftenberg in einer kleinen Bäckerei produziert. Erst seit einem halben Jahr steht die Manufaktur, acht Mitarbeiter sind beschäftigt. Mit einer zielgerichteten Marketingstrategie „Scharfes Gelb als Souvenir aus dem Seenland“ und einem glücklichen Händchen bei den Werbebotschaftern Jürgen Drews und Antonia aus Tirol hat sich „Scharfes Gelb“ relativ schnell seinen Platz erobert, sagt Heiko Tänzer. Außerdem setzen er und Geschäftspartner Danilo Trasper immer auf das Besondere und Kooperationen. Es gebe inzwischen auch Gummibärchen und Eis von „Scharfes Gelb“. Und Eierlikör-Schoko-Törtchen von einer Senftenberger Bäckerei - exklusiv für Besucher der Manufaktur. „Alleinstellung ist wichtig“, sagt er. Auf der Grünen Woche in Berlin biete man nach wie vor Verkostungen der Eierlikör-Kreationen an, und, betont Heiko Tänzer, als einer der wenigen Hersteller noch kostenfrei.

Möglicherweise sei das Marketing nicht ganz ausgereift gewesen, sinniert Tänzer über das Ende des Cottbuser Labieratoriums. Schade, wenn ein regionaler Macher gehe, zumal man Anfang des Jahres über eine gemeinsame Idee gesprochen habe. Aber Craft-Bier sei eben inzwischen nicht mehr so das Besondere.

Genau das ist das Erfolgsrezept von Edelmond Chocolatiers. Edelmond macht Schokolade, in Bio- und Fairtrade-Qualität, in Zöllmersdorf bei Luckau. „Süßes haben wir nicht“, los geht es ab Zartbitter mit 55 Prozent Kakaogehalt, berichtet Inhaber Thomas Michel. Aus Kakaobohnen handgemachte bittere Schokolade sei nicht nur was Besonderes, sie habe auch ihren Preis. Allein von Einheimischen könne die Schokoladenmanufaktur nicht leben, so Michel, für den die Handwerkskammer extra eine Prüfung zum Chocolatier „erfinden“ musste. Edelmond verkaufe online, auch nach Frankreich und Österreich, deutschlandweit bei kleinen Händlern. In der Lausitz neben dem Stammsitz mit acht Mitarbeitern auch in ausgewählten Geschäften in Cottbus, Calau. Edelmond habe viele Stammkunden, vor allem aus Sachsen, „die sind schon immer anders“, sagt Thomas Michel. „Klein und fein und so wollen wir auch bleiben“ - beschreibt er das Edelmond-Geschäftsmodell.

In Elbe-Elster gibt es seit knapp 20 Jahren die Regionale Speisekarte. Gemeinsam mit Wirten der Region vermarkten der Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft, der Tourismusverband und die Wirtschaftsförderung einheimische Produkte. Elf Gaststätten bringen Vielfalt und Geschmack der heimischen Landschaft auf den Tisch - vom Niederlausitzer Heidelamm, Karpfen bis zu Äpfeln, berichtet Andrea Opitz, Projektleiterin vom Naturpark. Derzeit werde der kulinarische Kalender für das neue Jahr erstellt, 2019 wolle man auch noch mal mehr Anstrengungen unternehmen, um wieder mehr „Aufmerksamkeit für die Aktion“ zu erregen. Das sei in der letzten Zeit etwas dahin geplätschert.

Spargel-, Wild- und Apfel-Wochen gingen in allen Restaurants gut. Lamm natürlich besonders zu Ostern und in den Heide-Lokalen mit der Anbindung zur Landschaft. Daniel Hissung macht bei der Regionalen Speisekarte mit - bietet sein Heidelamm an. Das sei eine gute Sache, sagt er. Denn ansonsten sehe es für Lammfleisch im Osten nicht so rosig aus. Schäfer Hissung denkt, das wirke aus DDR-Zeiten nach, als die guten Mastlämmer in den Westen exportiert, und hier der Rest verkauft wurde. Auch jetzt gehe ein Großteil des Fleisches nach Westdeutschland. Den Verkaufswagen und die Direktvermarktung, die sein Vater betrieben hatte, habe er mangels wirtschaftlichem Erfolg aufgeben müssen. Die Kaufkraft sei einfach nicht auch da. Hissung, der im Dreiländereck Brandenburg-Sachsen-Sachsen-Anhalt- zwei Herden a´ 400 Schafe hat, hat sich ein weiteres Standbein gesucht - die Landschaftspflege.

Das Aus für den Cottbuser Bierbrauer sieht die IHK auch als branchenspezifisch an. Der Biermarkt sei eben besonders hart umkämpft, hier sei der Preisdruck nicht zu unterschätzen, erklärt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer. „Für die Kaufentscheidung sind Regionalität, Qualität und eben auch die Preisgestaltung entscheidende Faktoren“, sagt Maik Bethke.