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Wie konnte das passieren?

Cottbus/Stuttgart/Köln. Warum sind bei dem Busunglück auf der A9 in Nordbayern so viele Menschen ums Leben gekommen? Die Ursachenforschung hat gerade erst begonnen. Verkehrsfachleute verfolgen verschiedene Erklärungsansätze. dpa/ta/sm

Siegfried Brockmann, der Leiter Unfallforschung der Versicherer, hält es für wahrscheinlich, "dass der Unfall gar nicht der Auslöser des Brandes war, sondern der Brand möglicherweise zuerst da war". Dem Bayerischen Rundfunk sagte er: "Dafür gibt es Präzedenzfälle, dass ein Brand im Motorraum beginnt und dort vom Fahrer zunächst nicht wahrgenommen wird, bei den Niederflurmotoren im Heck." Es sei schwer erklärbar, warum ein Bus bei einem Auffahrunfall so schnell in Flammen aufgehe, sagte Brockmann. Er wies darauf hin, dass der Bus am Rand stehenblieb. "Der Fahrer muss also noch einiges versucht haben."

Ein Kraftfahrtexperte des Tüv Rheinland hält eine abgerissene Kraftstoffleitung für eine mögliche Ursache: "Im Fall eines Unfalls kann es sein, dass eine Kraftstoffleitung abreißt und der Kraftstoff auf heiße Fahrzeugteile gelangt und das Ganze anfängt zu brennen", sagte Hans-Ulrich Sander in Köln.

Hätte ein Notbremsassistent den verheerenden Busunfall und damit viel Leid verhindern können? Für die Dekra kann es auf diese Frage keine absolute Antwort geben. Dieses System spiele eine wichtige Rolle für die Warnung des Fahrers vor einer möglichen Kollision, erklärt der Pressesprecher Automotive Wolfgang Sigloch der RUNDSCHAU. In einer solchen Situation sei der Notbremsassistent darauf vorbereitet, eine Bremsung durch den Fahrer aktiv zu unterstützen.

Allein die Warnung könne manchen schweren Unfall verhindern oder zumindest die Unfallfolgen deutlich abmildern. Wolfgang Sigloch verweist allerdings darauf, dass Notbremsassistenten in Reisebussen erst seit November 2015 für neu zugelassene Fahrzeuge vorgeschrieben sind. Die Vorgabe sei, dass solche Systeme zum einen den Fahrer warnen und - falls keine Reaktion erfolgt - die Geschwindigkeit durch einen eigenen Bremseingriff um zehn km/h reduzieren müssen. Das mag sich zunächst nicht nach viel anhören, erläutert der Dekra-Experte. Allerdings fließe die Geschwindigkeit in die kinetische Energie laut Berechnungsformel zum Quadrat ein, sodass zehn km/h durchaus einen wesentlichen Unterschied machen können. "Viele Hersteller gehen zudem über die Vorgabe hinaus und legen ihre Systeme auf einen stärkeren Bremseingriff aus", sagt Sigloch. Er verweist zugleich darauf, dass für ältere Busse keine derartige Vorschrift gibt. Und: Eine Nachrüstung sei nicht möglich.