Es ging los mit Anrufen von verärgerten Kunden. Sie würden auf ihre bestellte Ware warten, hieß es da. Der Traktor, die Sämaschine oder der Feldhäcksler seien schließlich angezahlt - bei der polnischen Niederlassung des renommierten Landmaschinen-Händlers Schlieper.

Mitte Februar war es eine Kundin aus der Uckermark (ihren Namen möchte sie nicht veröffentlicht sehen), die aufgeregt den Kontakt zur Sonnewalder Zentrale der Schlieper für Landmaschinen GmbH suchte. Die Frau war auf der Homepage www.litwin-landmaschinen.com auf einen kostengünstigen Deutz-Traktor gestoßen. Der war für kostengünstige 9000 Euro angeboten worden. "Ich hatte Bauchschmerzen und bin über einen Bekannten an Schlieper verwiesen worden", schildert die Uckermärkerin, wie sie in letzter Minute von der Anzahlung abgehalten wurde. "Wir konnten gerade noch rechtzeitig davon abraten", erinnert sich Beatrice Wache, die Marketing-Leiterin bei Schlieper. "Denn hier sind Betrüger im Internet unterwegs, die die Schlieper-Homepage ungeniert kopieren und manipulieren."

Die Firma Schlieper hat nach dem jüngsten Fall Strafanzeige bei der Polizei in Finsterwalde gestellt. "Für uns sind diese Vorfälle geschäftsschädigend", verweist die Sonnewalder Marketing-Chefin gegenüber der RUNDSCHAU darauf, dass Kunden glauben, sie hätten Anzahlungen an eine Schlieper-Niederlassung in Polen überwiesen und bekämen nun die bestellte Ware nicht geliefert. "Wir haben keine Niederlassung in Polen", sagt Beatrice Wache, die die Verärgerung der Kunden dennoch nachvollziehen kann.

Denn die Landwirte sind auf der Suche nach günstigen Angeboten für Agrarmaschinen professionellen Internet-Betrügern aufgesessen. Die Gangster haben die Homepage www.schlieper-agrarservice.de bis ins kleinste Detail kopiert und lediglich URL-Adresse, Logo und Ansprechpartner ausgetauscht. Der freundliche Verkaufsberater Markus Litwin lächelt dann vor dem Hintergrund des Schlieper-Internetauftritts von der Hompage www.litwin-landmaschinen.com . Auch sind die Firmen heute in Czestochowa, morgen in Bronislaw und übermorgen in Warschau angesiedelt.

Beatrice Wache zählt auf, dass die hochwertige Schlieper-Homepage seit Juli 2014 schon zehnmal professionell kopiert und unter einem anderen Firmennamen verwendet wurde. Nach Aussagen von geprellten Kunden würden E-Mails vom Verkäufer ebenso beantwortet, wie unter der angegebenen Telefonnummer ein perfekt deutsch sprechender Gesprächspartner das Angebot erläutert. Er sendet auch Fotos und Zulassungskopien oder lädt dazu ein, die Landmaschine vor Ort besichtigen zu können. Vertrauensbildend, ohne dass sich Käufer auf den weiteren Weg machen. Letztlich fordert der Unbekannte am anderen Ende der Telefonleitung, die Hälfte des Kaufpreises - auch wegen der entstehenden Transportkosten - vorab zu überweisen. "Wenn diese Zahlung erfolgt ist", weiß Beatrice Wache aus Gesprächen mit Betroffenen, "dann bricht der Kontakt zum angeblichen Verkäufer ab und das Geld ist weg."

Warum Landwirte auf die dubiosen Angebote - die auch Mithilfe von Zeitungsannoncen unterstützt werden - hereinfallen, lässt sich nur mit der Verlockung erklären, ein besonderes Schnäppchen zu machen. Die Landmaschinen werden zu einem Preis "fernab jeglicher Realität angeboten", weiß die Schlieper-Marketingleiterin. Da werde ein Traktor des amerikanischen Produzenten John Deere mit Herstellungsdatum 2004 für 10 000 Euro angeboten. Der sei aber, erklärt Beatrice Wache, noch gut 29 000 Euro wert.

"Bei diesen Preisunterschieden muss man sich fragen, ob das mit rechten Dingen zugeht", mahnt Eberhard Urban, Chef der Finsterwalder Kriminalpolizei, zur Vorsicht. Seine Behörde hat wegen der Strafanzeige der Schlieper GmbH ermittelt, den Fall Anfang März aber als "unbekannte Straftat" an die Cottbuser Staatsanwaltschaft abgegeben.

Hier sind Brandenburgs Chefermittler in Sachen Internatkriminalität zu Hause. Denen ist die Masche mit den kopierten Internetseiten durchaus bekannt. "Damit haben auch Autohäuser zu kämpfen, die etwa gebrauchte Pkw anbieten", erklärt Oberstaatsanwalt Thomas Schell. Der Leiter der Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft verweist darauf, dass es für Programmierer nicht allzu schwierig sei, eine Homepage zu kopieren und zu verändern - kriminelle Energie vorausgesetzt. Es gebe aber durchaus Ermittlungsansätze, erläutert Schell, wenn Geld auf ein polnisches Konto geflossen ist. Auch könne ermittelt werden, auf welchem Server die Internetseite liegt und auf wen der Domäne-Name registriert ist.

Dennoch scheinen schnelle Ermittlungserfolge eher unwahrscheinlich. Zunächst muss ein Rechtshilfeersuchen in Polen gestellt und genehmigt werden. Bis dahin gelte auch für den Oberstaatsanwalt die Devise: Vorsicht bei Superschnäppchen-Angeboten.